Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsen
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Das Heilige Land zwischen Wasser und Wüste

Ein Reisebericht über die Gemeindereise nach Israel 08.-15. Februar 2015

 

Unter diesem Thema stand unsere diesjährige Gemeindereise. Wir hatten uns vorgenommen, Israel von Jerusalem bis Eilat zu bereisen. Die vorangegangenen Israelreisen führten uns größtenteils von Jerusalem aus nach Norden. Dabei streiften wir wohl die judäische Wüste. Aber die längste Zeit verbrachten wir immer im lieblichen Galiläa. Hier grünt und blüht es fast zu jeder Jahreszeit.

Ganz anders jedoch ist die Vegetation im größeren Teil des Landes. Schaut man auf die Landkarte, so stellt man fest, dass 63 Prozent des Landes Israel aus Wüste besteht. Wir waren erstaunt, wie viel Leben es in der Wüste gibt. Immer wieder kamen wir auf unserer Fahrt nach Süden an Städten und Dörfern vorbei. Fast paradox klingt es, wenn man liest, dass die Fischzucht ein aufstrebender Wirtschaftszweig des Negev ist. Man benutzt dazu fossiles Brackwasser, das in künstliche Teiche gepumpt wird. Auf Grund des Wüstenklimas ist dieser Wirtschaftszweig sehr profitabel. Schon Ben Gurion, der erste Ministerpräsident Israels, sah die Zukunft Israels in der Wüste.

Schnell wurde uns klar, dass Leben in der Wüste möglich ist. Dies allerdings hängt mit der Gewinnung von Wasser zusammen. Wo bekommt man in der Wüste Wasser her? Auf unserer Reise lernten wir mehrere Möglichkeiten der Wassergewinnung kennen. Schon immer waren diesbezüglich Menschen erfindungsreich.

Mehr und mehr faszinierte mich die Wüste. Auf der anderen Seite lernte ich ganz neu das Wasser schätzen. Wir leben in einer Gegend, in der man nicht groß über das Wasser nachdenkt, weil es genügend davon gibt. Wasser ist der häufigste Naturstoff der Erdoberfläche. Über 71 Prozent der Erdoberfläche ist mit Wasser bedeckt. Wasser verschwindet nicht, sondern ist seit Urzeiten in allen möglichen Kreisläufen unterwegs.

Unsere Gemeindereise begann am Sonntag, den 8. Februar 2015 im Schneesturm. Es hatte über Nacht geschneit und die Witterungsverhältnisse waren schwierig. Der Busfahrer kannte sich in unserer Gegend nicht aus und wollte einen Riesenumweg zur Grenze nehmen. Zum Glück konnten wir ihn überzeugen, über die Heinzebank und Reizenhain nach Prag zu fahren. Dort wurden wir schon von El Al erwartet. Ein Mitarbeiter von El Al holte uns vom Bus ab. Dann ging der Sicherheitscheck zügig voran, sodass wir die Stunde Verspätung wieder aufholen konnten. Pünktlich starteten und landeten wir. Am Flughafen lernten wir unseren Guide Verkine Aivazian und unseren Busfahrer Hanna Salm kennen. Mit ihnen waren wir die 8 Tage im Heiligen Land unterwegs.

Es ist für mich immer etwas Besonderes, wenn man den Boden Israels betritt. Hier hat sich so viel leidvolle und segensreiche Geschichte zugetragen. Hier werden für mich die biblischen Geschichten plastischer. Man kann nicht so einfach nach Jerusalem fahren und das Hotel beziehen. Die Ankunft in Jerusalem muss man zelebrieren. Und so machten wir auf dem Ölberg einen Stopp. Von hier aus hat man einen schönen Blick auf die Altstadt. Ich hatte 2 Flaschen Rotwein vom Hermon und kleine Trinkbecher mitgenommen. Damit stießen wir auf das Land, auf Jerusalem und unsere gemeinsamen Tage an. Gemeinsam beteten wir den Psalm 122: „Ich freute mich über die, die mir sagten: Lasset uns ziehen zum Hause des HERRN! Nun stehen unsere Füße in deinen Toren, Jerusalem. Jerusalem ist gebaut als eine Stadt, in der man zusammenkommen soll,…“

Unser Hotel hatte eine sehr gute Lage. Das Holy Land Hotel liegt nahe des Damaskustores. Von unserem Balkon aus hatten wir einen direkten Blick auf den Tempelplatz. Einige ließen es sich nicht nehmen, nach dem Abendbrot noch einmal durch die Altstadt bis zur Klagemauer zu gehen.

Am Montag, den 9. Februar, begann unsere Besichtigungstour im Heiligen Land. Wir fuhren mit dem Bus zum Ölberg und wanderten von der Vaterunser-Kirche hinab ins Kidrontal. Bereits im Jahre 330 wurde an dem Ort, an dem sich die heutige Paternoster-Kirche befindet, über einer Grotte die konstantinische Himmelfahrtskirche errichtet. Diese Kirche wurde jedoch im Jahre 614 durch die Perser zerstört. Seit der Kreuzfahrerzeit gilt dieses Grundstück auch als der Ort, an dem Jesus seinen Jüngern das „Vater Unser“ lehrte. In Matthäus 6, 9-13 und Lukas 11,1-4 berichtet uns die Bibel davon. Im Jahr 1874/75 entstand dann die heutige Kirche, die von französischen Karmelitinnen betreut wird. In über 140 Sprachen kann man hier das „Vater Unser“ lesen. Der Kirchenhistoriker Eusebius (260-340) berichtet davon, dass auf Geheiß Helenas, der Mutter Konstantins des Großen, hier eine Kirche gebaut wurde. Diese Kirche soll „über einer Höhle auf dem Ölberg“ errichten worden sein. Diese Grotte wurde im Jahr 1911 bei Ausgrabungen wiederentdeckt. Es war bewegend, in dieser Grotte das „Vater Unser“ zu beten.

Von hier aus wanderten wir zur Kirche „Dominus flevit“. Zuvor machten wir noch einen Abstecher zum jüdischen Friedhof. Nach jüdischem Glauben wird der Messias über den Ölberg nach Jerusalem einziehen und im Kidrontal unterhalb des Hügels das Jüngste Gericht halten. Deswegen wurde am Hang des Berges ein ausgedehnter jüdischer Friedhof angelegt. Seit Jahrhunderten ist dies für Juden aus aller Welt ein begehrter Begräbnisplatz.

Unser nächster Halt war an der Kirche Dominus flevit. Lukas berichtet uns in seinem Evangelium (19,41-44) wie Jesus über Jerusalem weint und der Stadt das Gericht Gottes ankündigt. „Und als er nahe hinzukam, sah er die Stadt und weinte über sie und sprach: Wenn doch auch du erkenntest zu dieser Zeit, was zum Frieden dient! Aber nun ist's vor deinen Augen verborgen. 43 Denn es wird eine Zeit über dich kommen, da werden deine Feinde um dich einen Wall aufwerfen, dich belagern und von allen Seiten bedrängen und werden dich dem Erdboden gleichmachen samt deinen Kindern in dir und keinen Stein auf dem andern lassen in dir, weil du die Zeit nicht erkannt hast, in der du heimgesucht worden bist.“

Bereits im 6. Jahrhundert stand hier eine byzantinische Kirche. Davon zeugt links neben dem Haupteingang ein Boden-Mosaik aus jener Zeit. Auf den Fundamenten der byzantinischen Kirche wurde 1955 nach den Plänen von Antonio Barluzzi die jetzige Kirche gebaut. Von hier aus hat man einen schönen Blick auf die Altstadt und den Tempelberg. In einem Garten neben der Kirche konnten wir unsere Andacht halten. Sie stand unter dem Thema: „Jerusalem – Stadt des großen Königs“ (Ps 48,3).

Unsere Wanderung führte uns weiter den Ölberg hinab zum Garten Gethsemane. Vorbei an alten Olivenbäumen erreichten wir die Todesangst-Basilika von Antonio Barluzzi. Die heutige Kirche steht auf den Fundamenten einer byzantinischen Basilika aus dem 4. Jahrhundert, die Kaiser Theodosius I. errichten ließ. Ein Erdbeben zerstörte dieses Gotteshaus. Teile des ursprünglichen Fußbodens sind noch heute in der Kirche sichtbar. Nach Matthäus 26,36-46 und Markus 14,25-42 hat Jesus an dieser Stelle mit seinen Jüngern vor seiner Gefangennahme gebetet. Barluzzi hat diese Kirche innen sehr dunkel gestaltet. Die Innenarchitektur drückt die Todesangst Jesu und seinen Gebetskampf aus. Der Altar steht vor dem Felsen, auf dem Jesus gebetet haben soll, und ist mit einem Gitter umgeben, das an die Dornenkrone erinnert.

Gethsemane kommt vom hebräischen Gat-Schmanim und heißt Ölpresse. Der Name erinnert daran, dass hier, ganz in der Nähe des Tempels, eine Ölpresse stand. Das gepresste Olivenöl wurde für kultische Zwecke im Tempel verwendet.

Wir hatten noch etwas Zeit und konnten einen kurzen Blick in zwei weitere Gedenkstätten werfen, die sich im Kidrontal nahe der Todesangst-Basilika befinden. Nach altkirchlicher Tradition wird das Mariengrab als die Grabstätte von Maria, der Mutter Jesu, angesehen. Neben dem Eingang zur Kirche befindet sich der Eingang zur Verrats-Grotte. Hier wird an den Verrat Judas und der Festnahme Jesu gedacht.

Unser nächstes Ziel war die Westmauer (Klagemauer) und der Tempelplatz. Noch vor kurzem hätte ich nicht gedacht, dass ein Besuch möglich ist. Immer wieder kommt es hier zu Unruhen. Wir erlebten die gespannte Atmosphäre ein kleines Stück mit. Fanatische Moslems begannen „Allahu Akbar“ (Allah ist groß) zu rufen, sobald Juden den Platz betraten. Wir gingen vorbei am Felsendom zu der Stelle, an der man noch ein Stück des Felsens sehen kann. Die Besuchszeit für Nichtmuslime ist sehr kurz. So mussten wir uns beeilen. Nach einem kurzen Blick auf das Goldene Tor verließen wir wieder den Platz, an dem einst der Tempel stand. Es war schon spät geworden und der Hunger meldete sich. Gegenüber dem österreichischen Hospiz machten wir in einer Gaststätte die Mittagspause. Frisch gestärkt ging es dann in den Nachmittag. Wir hatten Zeit zur freien Verfügung. Einige wollten auf der Stadtmauer entlang gehen. Einige beabsichtigten das Gartengrab nahe dem Damaskus Tor aufzusuchen. Beate und ich gingen in die Davidstadt. Heute liegt die Stadt, die David etwa 1000 v. Chr. von den Jebusitern eroberte, außerhalb der Stadtmauern Jerusalems. Ziemlich nahe dem Misttor liegt der Eingang zu den Ausgrabungsstädten.

David machte Jerusalem zur Hauptstadt und funktionierte sie zu einem geistlichen Zentrum um, indem er die Bundeslade dorthin brachte. Heute ist die Davidstadt ein Nationalpark, in dem Besucher Überreste eindrucksvoller Häuser damaliger Bewohner, Festungen und unterirdischer Tunnel aus biblischen Zeiten besichtigen können. Die Hauptattraktion ist ein ca. 2.700 Jahre alter Wassertunnel, den König Hiskia erbauen ließ. Der 533m lange Tunnel sollte die Wasserversorgung Jerusalems sicherstellen und beförderte Wasser aus der Gihon-Quelle in den Shiloah-Teich. Dieses Bauwerk gilt als antike Meisterleistung der Ingenieurskunst. Die Gihonquelle ist die einzige Quelle in Jerusalem, die das ganze Jahr Wasser gibt. Nur lag sie leider an der verkehrten Stelle. Sie befand sich außerhalb der damaligen Stadtmauern der Jebusiterstadt im Kidrontal. Was machte man? Man sicherte die Quelle, indem man sie mit Steinplatten verdeckte. Gleichzeitig meißelten die Jebusiter einen Gang von der Stadt aus, die auf dem Berg lag, durch den Felsen dorthin. Eindrücklich erzählt die Bibel (2.Sam 5,6-10), das Davids Feldherr Joab durch diesen Tunnel in die Stadt eingedrungen ist, um sie zu erobern. Später wurde ein weiterer Tunnel durch den Felsen gehauen, um die Wasserversorgung Jerusalems sicher zu stellen. Am bekanntesten ist der Hiskiatunnel, der von der Gihonquelle zum Teich Siloah führt. Man kann diesen wasserführenden Tunnel entlang laufen. Wir waren mit der trockenen Variante - dem Tunnel aus der Jebusiterzeit zufrieden. Vom Teich Siloah aus liefen wir dann auf den Stufen, die früher zum Tempel führten, zurück. Es war ein eindrücklicher Nachmittag. Ich habe mir den Besuch der David-Stadt für eine nächste Israelreise notiert.

Vom Misttor aus liefen wir entlang der Stadtmauer bis kurz vor dem Zionstor. Auf dem Platz vor der Hurva-Synagoge löschten wir unseren Durst und wanderten schließlich durch das jüdische und arabische Viertel zurück zum Hotel. Unser erster Tag in Jerusalem war anstrengend, aber auch erfüllt von vielen guten Eindrücken. Nach einem fürstlichen Abendessen sanken wir todmüde in die Betten.

Unser zweiter Tag in Jerusalem war nicht ganz so gefüllt, wie der erste. Es war Dienstag, der 10. Februar. Vom Hotel aus fuhren wir ein kurzes Stück mit dem Bus zum Löwentor oder Schafstor oder auch Stephanustor. Unser erster Stopp war am Teich Bethesda. Hier befand sich einst eine Zisterne. Die Gihonquelle reichte bei weitem nicht für die Wasserversorgung der Stadt. Und so sammelte man zusätzlich das Regenwasser. Jerusalem liegt an einer Wasserscheide. Die Wolken ziehen vom Mittelmeer herauf und regnen hier ab. Man nannte den Teich Bethesda auch Schafteich. Der Schafteich lag unweit des Tempels. Hier wurden die Schafe gereinigt, bevor sie für die Opferung zum Tempel gebracht wurden. Eindrücklich beschreibt der Evangelist Johannes (5,1-16) wie Jesus am Teich Bethesda einen Gelähmten heilte, der 38 Jahre lang vergeblich auf ein Wunder gehofft hatte. Plötzlich und unerwartet trat durch die Begegnung mit Jesus eine Wende in seinem Leben ein. Stephanie Gehlert hielt dazu eine eindrückliche Andacht. Anschließend gingen wir in die Annenkirche und sangen dort ein Lied. Wir waren nicht die einzigen, die die schöne Akustik der Kirche ausnutzten. Vor uns sangen Asiaten ein Lied und nach uns Mitglieder einer deutschen Freikirche. Die romanische, dreischiffige St.-Anna-Kirche ist einer der ältesten und schönsten Kirchen Jerusalems. Sie ist ein klassisches Beispiel einer Kreuzfahrerkirche.

Unser Weg führte weiter auf der Via Dolorosa. An verschiedenen Stationen des Leidensweges Jesu machten wir Halt und gedachten an seinen Weg zum Kreuz. Die Via Dolorosa endet in der Grabeskirche. Wie immer, war hier der Rummel groß. Nach der Besichtigung kehrten wir in der Evangelischen Erlöserkirche ein, genossen die Stille und sangen ein Lied.

Für den Nachmittag stand Bethlehem auf dem Programm. Zunächst fuhren wir nach Beit Sahour. Beit Sahour ist ein Vorort von Bethlehem und liegt südöstlich der Stadt. Hier kehrten wir zu Mittag in der Gaststätte „Ruths Field“ ein. Nicht weit davon liegen die Hirtenfelder. Wir konnten zu Fuß dorthin gehen. Wieder begegnete uns eine Barluzzi-Kirche. Hier sang Stephanie Gehlert den Part, den sie jahrelang als Verkündigungsengel in der Crottendorfer Mette gesungen hat. Wir waren alle ganz gerührt.

Unser Weg führte uns weiter nach Bethlehem. Wer hier ein beschauliches Dorf erwartet, der wird enttäuscht. Bethlehem ist eine quirlige Stadt. Und wer in der Geburtskirche in eine andächtige Atmosphäre eintauchen möchte, erlebt die nächste Enttäuschung. Der Pilgertourismus verlangt eben auch seine Opfer. Immerhin fanden wir in der katholischen Katharinenkirche unsere Andacht, als wir dem Orgelspiel unseres Kantors Sebastian Rau zuhören konnten. In der Bibel lesen wir von der Geburt Jesu in Bethlehem: „Als die Engel sie verlassen hatten und in den Himmel zurückgekehrt waren, sagten die Hirten zueinander: Kommt, wir gehen nach Bethlehem, um das Ereignis zu sehen, das uns der Herr verkünden ließ. So eilten sie hin und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag. Als sie es sahen, erzählten sie, was ihnen über dieses Kind gesagt worden war. Und alle, die es hörten, staunten über die Worte der Hirten.“ (Lk 2,15-18)

Bevor wir Bethlehem verließen, kauften wir in einem christlichen Souvenirshop Geschenke ein. Nach dem Abendbrot war noch Zeit für eine kleine Wanderung. Mit Beate, Manuela Schreyer und Stephanie Gehlert wanderte ich durch das arabische Viertel zur Westmauer des Tempels. Wir beteten dort und kehrten wieder in unser Hotel zurück. Ein Gebet an der Klagemauer ist für mich immer ein schönes Erlebnis. Dadurch, dass hier Tag und Nacht gebetet wird, ist hier eine besondere Gebetsatmosphäre. Die Rabbiner sagen, dass sich hier die Schechina niedergelassen habe. Der Begriff Schechina bezeichnet in der jüdischen Religion die Wohnstatt Gottes in Israel und wurde als Inbegriff der Gegenwart Gottes bei seinem Volk verstanden. So glaubt man, dass sich nach der Zerstörung des Tempels die Schechina an der Westmauer niedergelassen habe. „Rabbi Acha sagte: In Ewigkeit rührt sich die Schechina nicht von der Westmauer, denn es heißt im Hohelied: Da, er steht hinter unserer Mauer, ob zerstört oder nicht zerstört, die Schechina rührt sich nicht von dort fort.“

Am Mittwoch, den 11. Februar verließen wir Jerusalem. Unser Weg führte uns weiter über, Jericho, Qumran nach Arad. Ich freute mich sehr auf den Besuch Jerichos. Auf zwei früheren Reisen wurde aus Sicherheitsgründen der Besuch der Ausgrabungsstätte kurz vorher abgesagt. Dieses Mal war es möglich. Wir fuhren von Jerusalem aus hinab nach Jericho. Die Stadt liegt im Jordangraben. Man hat dabei das Gefühl, als ob man im Flugzeug einen Sinkflug erlebt. In kurzer Zeit verliert man eine Höhe von über 1000 Metern.

Die Stadt lag an einer uralten Handels- bzw. Karawanenstraße. Die Einwohner Jerichos beteten den Mond an, denn der Name der Stadt leitete sich sprachlich von dem Mondgott Jarich ab. Viele Male wurde Jericho zerstört und wieder aufgebaut. Die früheste Siedlung lag beim heutigen Tell Sultan, zwei Kilometer nordwestlich des heutigen Stadtzentrums. Dort besichtigten wir die Ausgrabungsstätte. Der Tell ist 21 Meter hoch und besteht aus 23 übereinanderliegenden Fundschichten aus 11.500 Jahren. Es war für uns ein Aha-Erlebnis, die Mauern Jerichos gesehen zu haben.

Vom archäologischen Park sieht man den Berg der Versuchung mit dem griechisch-orthodoxen Kloster Qarantal. Im Jahr 1999 bauten Österreicher eine Seilbahn auf diesen Berg.

Wohl die bekannteste biblische Geschichte befindet sich im Buch Josua (Jos 6,4-20). Bei der Landnahme eroberten die Israeliten die Jebusiterstadt mit einem Posaunenchor. Aber auch viele neutestamentliche Geschichten handeln in Jericho. So trifft Jesus nach Luk 19,1–10 in Jericho auf den Zöllner Zachäus, und nach Mark 10,46–52 heilte er hier den blinden Bartimäus. Auf dem Berg der Versuchung hat Jesus 40 Tage lang gefastet und den Versuchungen des Teufels widerstanden (Mat 4,1-4). Nach der Besichtigung der archäologischen Städte fuhren wir in die Stadt und besichtigten dort einen Maulbeerfeigenbaum. In der Zachäusgeschichte wird erzählt, dass der Zachäus auf einen Maulbeerfeigenbaum geklettert sei, um Jesus zu sehen. Ich war erstaunt, wie groß diese Bäume werden.

Ganz in der Nähe Jerichos liegt die Taufstelle Jesu. Wir fuhren an den Jordan nach Qasr El Yahud. Dies war für die Gruppe eine Überraschung, denn die Besichtigung der Taufstelle stand nicht auf dem Reiseprogramm. Wir sahen zu, wie sich eine ägyptische Familie hier taufen ließ. Auch ich profitierte von diesem Abstecher. Für eine Taufe in unserer Familie, die in der nächsten Zeit ansteht, schöpfte ich etwas Jordanwasser und nahm dies als Souvenir mit.

Weiter ging unsere Fahrt nach Qumran. Seit den Funden der Schriftrollen vom Toten Meer in elf Felshöhlen der näheren Umgebung (1947–1956) fanden hier von 1951 bis 1958 intensive Ausgrabungen statt. Dabei wurden vor allem Münzen aus verschiedenen Epochen, Keramiken, verschiedene Werkzeuge und Alltagsgegenstände sowie überwiegend männliche, aber auch weibliche und kindliche Skelette gefunden. Die Deutung der Funde und ihr möglicher Zusammenhang mit den Schriften sind stark umstritten. Langsam bewegt man sich von der These weg, dass sich hier eine reine Essener-Siedlung befunden habe. Auch die Archäologie lebt von Interpretationen und diese gehen, wie auch z.B. in der Theologie, oft weit auseinander. Nachdem wir einen Film über Qumran angeschaut hatten, gingen wir unter der Führung von Verkine Aivazian durch das Ausgrabungsgelände. Wer auch immer einst Qumran besiedelte - die Menschen waren Meister in der Wassertechnik. Ein System von Wassergräben, Zisternen und Tauchbecken durchzog die Siedlung. Eine Quelle gab es hier nicht. Das Wasser gewann man bei Regenfällen und leitete es in Zisternen.

Für diesen Tag war auch ein Bad im Toten Meer vorgesehen. Wir hatten jedoch sehr windiges und diesiges Wetter. Das lag aber nicht an dichten Wolken, die das Sonnenlicht nicht durchliessen, sondern an einem Wüstensturm, den wir an diesem Tag miterlebten. Man merkte es in den Augen und am Knirschen der Zähne. Als wir an die Badestelle bei Kalia kamen, sahen wir die schwarze Flagge - d.h. „Baden verboten“. Das Tote Meer war auch von kräftigen Wellen aufgewühlt. Einige wenige ließen es sich doch nicht nehmen, eine kurze Berührung mit dem Salzwasser zu versuchen.

Dem starken Wind geschuldet, hielten wir auf dem Weg nach Arad unsere Andacht im Bus. Elisabeth Zschach hatte sich mit ihrer Schwester Ruth Krebs in die Andacht reingeteilt. Thema der Andacht war die Geschichte der Begegnung Abrahams mit Melchisedek. Mir wurde während der Andacht erst einmal richtig klar, in welchen großen geographischen Räumen sich diese Geschichte abspielte.

Unser nächstes Quartier lag in der Wüstenstadt Arad. Man sagt: Be’er Scheva liegt an der Nordgrenze der Negev-Wüste. Wie ein großes „V“ zieht sich die Wüste nach Süden und endet in Eilat am Roten Meer an dessen untersten Punkt. Wir befanden uns also ab jetzt in der Negev-Wüste.

Am Donnerstag, den 12. Februar, starteten wir von Arad aus nach Masada. Wir fuhren mit dem Bus bis zum Fuß der Römerrampe. Nach der Zerstörung des Herodianischen Tempels im Jahre 70 hatte sich auf Masada eine Gruppe von strenggläubigen Juden (Sikarier) verschanzt. Im Jahr 73/74 n. Chr. wurde Masada von der 10. Legion sowie knapp 4000 Soldaten unter dem Befehlshaber Flavius Silva belagert. Der jüdisch-römische Historiker Flavius Josephus überliefert die Belagerungsgeschichte Masadas in seiner Geschichte des jüdischen Krieges (Bellum Iudaicum 7, 252-406). Der Feldherr ließ den Berg mit einer über vier Kilometer langen Mauer umgeben, die durch acht Kastelle unterschiedlicher Größe gesichert wurde. Vom Berg aus kann man Mauer und Kastelle noch gut sehen. Anschließend schütteten die Römer an der Westseite der Festung eine noch immer gut erhaltene Belagerungsrampe auf, die schließlich bis an die Mauern der Festung reichte. Über diese Rampe führten sie Rammböcke und andere Belagerungsmaschinen an die Festung heran, um die Mauer zum Einsturz zu bringen.

Flavius Josephus berichtet, dass die Belagerten unter Führung von Eleazar ben-Ya'ir, als die Lage aussichtslos wurde, beschlossen, lieber als freie Menschen zu sterben, als den Römern in die Hände zu fallen: „Ein ruhmvoller Tod ist besser als ein Leben im Elend.“ Per Los bestimmten sie einige Männer, die wechselseitig den Rest der Gruppe und anschließend sich selbst töten sollten. Als die römischen Soldaten die Festung stürmten, erwartete sie nur Totenstille: 960 Männer, Frauen und Kinder hatten sich getötet. Nur zwei Frauen und fünf Kinder hatten sich verborgen gehalten und konnten berichten, was geschehen war. Die Römer „bewunderten den Mut ihrer Entscheidung“. Die Tat machte Masada bis heute zum Symbol des jüdischen Freiheitswillens.

Über die Römerrampe wanderten wir hinauf nach Masada. Unter der Leitung unseres Guides Verkine Aivazian machten wir auf der Bergfeste einen Rundgang. Vom Westpalast ging es zur Byzantinischen Kirche, zur Synagoge, zum Nordpalast, zu den Thermen, zu den Speicher- und Lagerräumen bis zum Haus des Kommandanten.

Die Lage Masadas in der Wüstenregion erforderte die Einrichtung eines ausgeklügelten Wassersystems, das die kontinuierliche Versorgung der Bewohner mit Trinkwasser gewährleistete. Herodes ließ ein in seinen Dimensionen beeindruckendes System errichten, das den in herodianischer Zeit angelegten Wasserbecken und Zisternen im Berg Wasser zuführte. Staudämme in den Wadis lenkten das Flutwasser über künstliche Kanäle in zwölf Zisternen, die auf zwei Ebenen in den felsigen Abhang geschlagen worden waren. Die verputzten Zisternen konnten bis zu 40.000 Kubikmeter Wasser aufnehmen. Von hier wurde das Wasser mit Lasttieren über den Schlangenpfad oder durch das Wassertor zu den Zisternen auf dem Bergplateau gebracht.

Von der Bergstation der Seilbahn aus wanderten wir hinab zur Talstadtion. Nach der Mittagspause ging unsere Fahrt weiter nach En Gedi. En Gedi ist eine wasserreiche Oase in der Negev Wüste und liegt am Westufer des Toten Meeres. Wir besichtigten zunächst die Reste einer alten Synagoge. Die Synagoge selbst liegt unter einem Dach, das einem Zelt gleicht, das den Besuchern Schatten spendet und die schönen Böden schützt. Es ist erstaunlich, in welch guten Zustand die 1500 Jahre alten Inschriften und Fußbodenmosaiken erhalten sind. 

Mit dem Bus ging es weiter zum Eingang in den En Gedi Naturpark. Hier war wieder eine Wanderung angesagt. Wir sahen auf unserer Wanderung Steinböcke und Klippendachse. Im ersten Buch Samuel 24,1-12 wird erzählt, wie Saul David verfolgte. In einer Höhle bei En Gedi verschonte jedoch David das Leben Sauls. Auf einen wildromantischen Pfad wanderten wir bis zum Wasserfall Davids. Hier hielt Beate Preißler die Andacht über die besagte Geschichte. Der Zufall wollte es, das wir auf dem Rückweg eine Studiengruppe aus Sachsen unter der Leitung von Falk Klemm trafen.

Der Wüstensturm vom Vortage hatte sich gelegt. Das Tote Meer war wieder spiegelglatt. Wir unternahmen einen zweiten Versuch, das Wasser des Toten Meeres auf der Haut zu spüren. In Neve Zohar befinden sich einige Hotels mit schönen Sandstränden. Hier hielten wir an und gingen baden. Nach dem Badegaudi ging es dann mit dem Bus hinauf nach Arad.

Nach den beiden Nächten in der Wüstenstadt Arad ging unsere Reise am Freitag, den 13. Februar, weiter nach Süden in Richtung Eilat. Als erstes steuerten wir Sde Boker an, den Ort, an dem der erste Ministerpräsident Ben Gourion mit seiner Frau Paula zuletzt gewohnt hat. Ben Gourion betrachtete die Besiedlung der Negev-Wüste als eine der wichtigsten Herausforderungen Israels. Nach seinem Tod wurde sein Wohnhaus zu einem Museum umgestaltet. Wir besichtigten diese Gedenkstätte. Ben-Gurions Entschluss, sich dem Kibbuz Sde Boker als Mitglied anzuschließen, beruhte auf einer persönlichen Begebenheit. Er selbst berichtete dazu: „Irgendwann Ende 1953 war ich auf dem Rückweg von Eilat nach Jerusalem. Als ich mich dem heutigen Sde Boker näherte, sah ich eine Gruppe von Jungen und Mädchen sowie einige Zelte, die ich früher nie wahrgenommen hatte. Ich hielt an und erkundigte mich, bei den Jugendlichen nach ihren Aktivitäten. Sie erzählten mir, dass dieses Gebiet, in dem während des Unabhängigkeitskrieges schwere Gefechte stattfanden, bereits vor 2.000 Jahren besiedelt war. Sie wollten diesen Ort erneut besiedeln. Ihre Worte bewegten mich zutiefst, denn ich kannte die Lage des Negev nur zu gut; es gab nichts außer salzhaltige Böden. Alles musste aus dem Nichts geschaffen werden. Ich beschloss, an Ort und Stelle mich den Jugendlichen für ein oder zwei Jahre anzuschließen, denn schließlich war dies jenes Ideal, das mich ins Land gebracht hatte — alles neu aufzubauen, aus eigener Kraft ...“

Danach besuchten wir die Grabstätten von David und Paula. Von hier hat man einen atemberaubenden Blick auf die Wüste Zin im Herzen des Negev. Im Anschluss fuhren wir mit dem Bus in die Wüste Zin, um im Flussbett bis zur Quelle En Avdat zu wandern. Entlang des Flusses führte in einem schmalen Canyon ein Weg bis zum Wasserfall. Die Wanderung war wunderschön. Am Wasserfall trafen wir wieder eine Gruppe Asiaten. Wir sangen uns gegenseitig ein Lied vor und freuten uns an der schönen Akustik. Unweit der Quelle En Avdat liegt die Ruinenstadt Avdat. Um Avdat zu erreichen mussten wir jedoch noch ein Stück mit dem Buss fahren.

Die Geschichte von Avdat liegt weit zurück und beginnt im 4. Jahrhundert v. Chr., als nabatäische Händler bei ihrem Weg entlang der Gewürz- und Weihrauchstraße hier Rast machten und nach und nach einen Handelsstützpunkt entwickelten. Die Nabatäer waren die Überlebenskünstler der Wüste, weil sie wussten, wo sich Wasser befindet. In dieser ersten Phase waren die Nabatäer Karawanenführer durch die Wüste. Der Geschichtsschreiber Diodor (1. Jahrhundert v. Chr.) schrieb über sie folgendes: „... Sie führen ein Räuberleben und plündern oft auf Raubzügen die Nachbarländer aus. [...] Sie pflanzen weder Korn oder andere früchtetragende Bäume an, noch trinken sie Wein, noch bauen sie irgendwelche Häuser. Sollte jemand gegen diese Regeln verstoßen, so wird dieser mit dem Tode bestraft. [...] Obwohl es viele andere arabische Stämme gibt, die die Wüste als Weide nutzen, übertreffen sie die anderen bei weitem an Reichtum, obwohl sie nicht viel mehr als 10.000 zählen, denn nicht wenige sind gewohnt, Weihrauch und Myrrhe und auserlesene Gewürze zum Meer zu bringen. ...“

Dem folgte eine zweite Phase in der Geschichte der Nabatäer. In der Zeit von 150 v. Chr. bis 105 n. Chr. schlossen sie sich zu einem Königreich zusammen. Ihr Gebiet erstreckte sich von der Sinaihalbinsel bis nach Nordarabien. Petra wurde die Hauptstadt. Etwa um die Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. ging der Handel der Nabatäer mit ihren Nachbarn spürbar zurück und die Bewohner von Avdat konzentrierten sich mehr auf den Anbau landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Sie bauten ein noch heute vorbildliches System von Dämmen und Terrassen, um die knappen Niederschläge für die Bewässerung der Felder stauen und speichern zu können.

Darauf folgte die dritte Phase in der nabatäischen Geschichte. Das Römische Reich annektierte das nabatäische Königreich im Jahre 106 n. Chr. und Avdat wurde zu einer befestigten Grenzstadt des Römischen Reiches. In der byzantinischen Epoche (4. bis 7. Jahrhundert n. Chr.) erlebte Avdat, Dank der Pilgerströme, noch einmal eine Blütezeit. Es entstanden prunkvolle Kirchen und andere Bauten, darunter auch Wasserzisternen. In jener Zeit wurde auch die landwirtschaftliche Nutzfläche erweitert, und an den Hängen der Stadt wurden Grotten in den Fels gehauen, die zur Lagerung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse und als Werkstätten dienten. Mit dem Ende der byzantinischen Epoche, dem Eindringen fremder Nomadenvölker und der arabischen Eroberung des Gebietes begann ab 636 der Verfall von Avdat.

Nach dem Rundgang in Avdat ging unsere Reise weiter zum Ramon-Krater. Wir standen etwas unter Zeitdruck, weil es Sabbat war und das Besucherzentrum um14.00 Uhr schloss. Der Ramon-Krater ist der weltweit größte Erosionskrater und liegt in der Negev-Wüste. Der Krater ist kein Resultat vulkanischer Aktivität oder eines Meteoriteneinschlages, sondern ist über eine lange Zeit durch Erosion entstanden. Dabei wurde das weichere Gestein wie beispielsweise Sandstein aus den Flächen härteren Gesteinssorten wie Kalkstein und Dolomit herausgewaschen und weggeschwemmt. Bei starken Ausspülungen brachen teilweise auch die härteren Gesteinsschichten mit ab. Die Länge des Kraters beträgt 40 Kilometer, die Breite liegt zwischen zwei und zehn Kilometern.

Im Besucherzentrum wurden wir gut über die Entstehung des Kraters informiert. Außerdem befindet sich hier eine Gedenkstätte für Ilan Ramon. Ilan Ramon war israelischer Weltraumfahrer und Besatzungsmitglied des Shuttle-Flugs STS-107. Er starb gemeinsam mit sechs weiteren Besatzungsmitgliedern, als die Columbia am 1. Februar 2003 beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre auseinanderbrach.

Eigentlich wollten wir im Ramon-Krater unsere Andacht halten, aber es war wieder zu windig. Unser Bus war dafür besser geeignet. Mose hat nach dem Bericht der Bibel auf der Wanderung durch die Wüste Zin mit seinem Stock gegen einen Felsen geschlagen, um für sein durstiges Volk Wasser zu gewinnen (4. Buch Mose 20). Dieser Text war Grundlage für unsere Andacht.

Nun ging es in Richtung Eilat, dem südlichsten Punkt unserer Reise. Es ist beeindruckend, durch die Wüste zu fahren. Je näher wir Eilat kamen, desto näher kamen wir der jordanischen Grenze. Die Berge Jordaniens waren in das Licht der untergehenden Sonne getaucht. Fast könnte man hier vom Vier-Länder-Eck sprechen. Ägypten, Israel, Jordanien und Saudi-Arabien liegen sehr nahe beieinander. Nach dem Bezug unseres Hotels unternahmen viele aus unserer Gruppe noch eine kleine Wanderung zum Hafen und zum Strand.

Auf dem Reiseprogramm stand Samstag, der 14. Februar: „Tag zur freien Verfügung“. Auf dem Weg nach Eilat überlegte ich mit Verkine, was wir der Gruppe für diesen Tag vorschlagen könnten. So kamen wir gemeinsam auf die Idee, mit dem Bus gegen eine Extragage zum Unterwasserobservatorium zu fahren. Zu Fuß wäre die Strecke zu weit gewesen und wenn jeder ein Taxi genommen hätte, wäre die Sache unter dem Strich zu teuer geworden. Dieser Vorschlag wurde von der Gruppe sofort angenommen und stellte sich am Schluss als sehr gute Entscheidung heraus. Hier bekommt man einen guten Einblick in die farben- und artenreiche Unterwasserwelt des Roten Meers. In verschiedenen Gebäuden kann man die Fischarten und die Unterwasserwelt der Korallenbänke bestaunen. Eine besondere Attraktion ist das Haifischbecken. Wir konnten bei einer Fütterung zusehen. Das eigentliche Observatorium liegt ein Stück vom Ufer entfernt. Man geht auf einer Brücke dorthin. In dem Observatorium geht man dann 4,5 Meter unter den Meeresspiegel und blickt direkt auf das farbenprächtige Korallenriff!

Jemand aus der Gruppe fragte, warum das Rote Meer „Rotes Meer“ heißt. Ich machte mich kundig und fand Dank Wikipedia folgende Erklärung: „Die Namensgebung stammt aus dem althergebrachten System der Bezeichnung von Himmelsrichtungen durch Farben. Erstmals ist der Name zur Zeit der Achaimeniden bezeugt: Für jenes iranische Volk lag dieses Meer im Süden, der durch die Farbe Rot symbolisiert wurde. Also bedeutete rotes Meer „Südsee“ (und analog das Schwarze Meer „Nordsee“). Herodot nannte dieses Meer im Zusammenhang mit dem Kanalbau des Necho II. auch den „arabischen Meerbusen. Gelegentlich wird zur Namenserklärung die Blaualge Trichodesmium erythraeum mit ihrer rötlich-orangen Chlorophyll-Variante herangezogen: Während periodisch auftretender Algenblüten kann sie ganze Teppiche an der Wasseroberfläche ausbilden. In Reisehandbüchern wird des Öfteren über den rötlichen Schimmer von Meer und Bergketten bei Sonnenaufgang erzählt.  Es ist wie immer, jeder kann sich die Variante heraussuchen, die ihm am besten gefällt.

In der Andacht am Morgen hörten wir, dass das Volk Israel auf seinem Weg in das verheißene Land hier durchgezogen ist. (5.Mose 2,1-8) Eilat war schon im 10. Jahrhundert v. Chr. besiedelt. König Salomo nutzte hier den Zugang zum Golf. In der Antike liefen vor allem Schiffe den Hafen an, die das Kupfer aus den nahen Minen von Timna abtransportierten. Auch für die Römer und Byzantiner und später für die Kreuzfahrer war dieser Hafen interessant.

Am Nachmittag konnte dann jeder seinen eigenen Interessen nachgehen. Manche besichtigten die Stadt. Wir waren baden. Die Fluten des Roten Meeres betrugen 21 Grad. Das war doch etwas - in einer Zeit, in der bei uns Schnee liegt, baden zu gehen. Trotz eines Infektes ließ ich mir das nicht nehmen. Anschließend habe ich im Hotel die Abrechnung und die letzten Schreibarbeiten erledigt, sodass wir am Abend das herrliche Büfett genießen konnten. Nach dem Abendessen drehten wir noch eine Runde in Eilat und genossen noch einmal die frühlingshaften Temperaturen.

Sonntag, der 15. Februar, war unser Heimreisetag. Nach so schönen Tagen fiel es schwer, Abschied zu nehmen. Fünf Stunden Busfahrt waren eingeplant. Kurz vor 18.00 Uhr startete das Flugzeug. Wir mussten erst 9.30 Uhr starten. So begann dieser Tag ziemlich entspannt. Manche aus unserer Gruppen waren am Morgen sogar noch einmal im Roten Meer baden.

Auf unserer Fahrt gen Norden machten wir einen kurzen Zwischenstopp im Kibbuz Yotvata. Die Siedlung liegt an einer starken Quelle gleichen Namens, die bereits in der Bibel erwähnt wird („ein Land mit Wasserbächen“, 5.Mose 10,7). Wichtigste Wirtschaftszweige des Kibbuz sind die Milchwirtschaft mit einem milchverarbeitenden Betrieb. Yotvata-Milch ist in Israel ein Verkaufsknüller. Wir konnten uns von der hohen Qualität der Milchprodukte überzeugen. Viele tätigten hier die letzten Einkäufe und fast jeder genoss das herrliche Eis. Etwa in der Höhe von Be’er Scheva hatten wir technische Probleme mit dem Bus. Wir konnten jedoch rechtzeitig den Ben Gourin-Flughafen in Tell Aviv erreichen. Immer bin ich froh, wenn die ganze Gruppe die Sicherheitsschleusen passiert hat und wir im Flugzeug sitzen. Pünktlich hob das Flugzeug ab und genau nach Plan landeten wir.

Der Bus von Lang-Reisen wartete schon auf uns und brachte uns auf der letzten Strecke unserer Reise von Prag aus über Karlsbad nach Hause. Es gibt viel Grund, dankbar zu sein. Gott hat uns eine intensive, behütete und schöne Reise geschenkt. Wir haben sehr viel gesehen, Unterschiedliches und viel Beeindruckendes erlebt. Unser Miteinander in der Gruppe war sehr harmonisch. Vielen Dank allen Mitreisenden für die Disziplin auf der Reise. 40 Personen sind nicht immer leicht zusammen zu halten. Schnell triften die Interessen auseinander. Danken möchte ich denjenigen, denen wir nicht alle Wünsche erfüllen konnten und die zurückgesteckt haben. Danken möchte ich unserem Guide Verkine Aivazian, die versuchte, alle unsere Wünsche zu erfüllen. Darüber hinaus hatten wir mit ihr einen sehr kompetenten Guide. Schon die Tatsache, dass sie in fünf verschiedenen Sprachen die Reisegruppen durch Israel führt, ist bemerkenswert. Wir profitierten besonders davon, dass sie Deutsch, Hebräisch und Arabisch spricht. So konnten wir uns in israelischen aber auch palästinensischen Gebieten gut bewegen. Überall haben wir uns sicher gefühlt. Danken möchten wir auch unseren Busfahrer Hanna Salm, der uns sicher durch Israel gefahren hat. Und dankbar bin ich Nicole Pauli von der Reise Mission Leipzig, mit der wir die Reise kompetent vorbereiten konnten. Die Zusammenarbeit mit ihr hat Freude gemacht.

Es ging auf unserer Reise um das Thema Wasser und Wüste. In der letzten Ausgabe der Zeitschrift Welt und Umwelt der Bibel las ich zu diesem Thema unter der Überschrift „Flüssiges Gold“ einen interessanten Artikel. Darin heißt es u.a.: „Mehr als 500-mal kommt das Wort „Wasser“ allein in den Schriften des Alten Testaments vor, und auch heute wird die Bedeutung von Wasser im Heiligen Land jedem Israelreisenden schnell klar: Reiseführer weisen laufend und fast ununterbrochen darauf hin, dass man „genug“ trinken müsse. In weiten Teilen des Landes ist dieses unverzichtbare Lebenselement knapp. Die nomadische Bevölkerung musste darauf achten, dass die Menschen wie auch die Tiere ausreichend

versorgt werden konnten. Auch die Gründung einer Siedlung hing unter anderem immer von der Möglichkeit ab, diese mit Wasser zu versorgen. In beiden Fällen wurde versucht, dies durch die Nutzung von Regenwasser und von Quellen, aber auch durch das Graben von Brunnen sicherzustellen, denn große Flüsse wie Euphrat und Tigris im Zweistromland oder der Nil in Ägypten gibt es im Heiligen Land nicht. Schon in den Siedlungen der Bronze- und Eisenzeit wurde mit großem Aufwand versucht, die Wasserversorgung sicherzustellen. Bei archäologischen Ausgrabungen z. B. in Megiddo oder Gezer wurden Überreste dieser Anlagen gefunden, was zu wissenschaftlichen Untersuchungen der Wasserfrage führte. Heute wird allgemein angenommen, dass der Wasserbedarf des antiken Menschen - trotz Schwankungen wegen seiner Körpergröße, der Temperaturen und anderer Parameter - etwa 1 m3 im Jahr betrug. Zum Vergleich beträgt der heutige Pro-Kopf Verbrauch in Israel über 100 m3 bei fast unverändertem Klima!

Man kann der Region nur wünschen, dass die verschiedenen Staaten gemeinsam gute Lösungen für die Wasserversorgung von Menschen wie Tieren finden. Die Herausforderungen von damals wie heute waren und sind enorm. Und vielleicht genießen wir in Anbetracht dessen wirklich den nächsten Schluck Wasser. Ganz neu klingt für mich von daher der Psalm 23:  „Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele.“

                                                                                                                         Friedrich Preißler

 











Hier kann man wie gewohnt einige Fotos von der Reise anschauen.

 




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