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Reisebericht

Auf den Spuren des Apostels Paulus und der Antike

Gemeindereise vom 19. – 26. Mai 2016 nach Griechenland

 

Georgios Seferis (er bekam 1963 den Nobelpreis für Literatur) schrieb: „Wohin ich auch reise, Griechenland verwundet mich.“ (aus „In der Manier von G.S.“). Diesen Satz kann man verschieden verstehen und deuten. Für Seferis hatte er wohl eine schmerzliche Bedeutung. Von 1931 bis 1934 arbeitete er in der griechischen Botschaft in London und vertrat dann seine Heimat von 1936 bis 1938 als Konsul in Albanien. In den Jahren 1941 bis 1944 teilte er das Schicksal der griechischen Exilregierung, das ihn u. a. nach Kreta, Ägypten und Südafrika führte. Und so ging das in seinem Leben weiter. Er war viel unterwegs und kämpfte und litt für sein Land. So musste er feststellen: „Wohin ich auch reise, Griechenland verwundet mich.“

Ein wenig kann auch ich mir diesen Satz zu Eigen machen, wenn ich an die vielen schönen Erlebnisse, Eindrücke und Informationen denke, die wir auf unserer Reise durch Nord-Griechenland mit Natasa, unserer Reiseleiterin und Apostoli unseren Busfahrer hatten. Es war meine neunte Griechenland-Reise und immer kehre ich aus Hellas etwas wehmütig zurück. Die Schönheit dieses Landes, die Liebenswürdigkeit seiner Menschen und das Schicksal, durch das dieses Volk gehen muss, verwunden auch mich. Ich buchte diese Reise im vergangenen Jahr, gerade als die EU den Geldhahn zudrehte und die Kapriolen der griechischen Regierung viele verunsicherten. Ich glaubte zwar daran, dass meine Zuversicht auf eine tolle Reise viele anstecken und zur Teilnahme einladen würde, aber hundertprozentig sicher war ich mir nicht, ob diese Reise zustande kommt. Wir alle waren nicht enttäuscht und sind sehr dankbar und mit vielen guten Erinnerungen nach Hause heimgekehrt. Mögen diese Zeilen viele ermutigen, einen Urlaub in Griechenland anzutreten, denn dieses Land braucht den Tourismus. Und anders lautend als die Eindrücke, die die Medien hinterlassen - die Griechen sind wunderbare Gastgeber, das Land eine Oase der Geschichte und des Glaubens und die Natur ein Garten der Schönheit.

In den frühen Morgenstunden des 19. Mai - am Donnerstag nach Pfingsten - begannen unsere gemeinsamen Tage. Einer unserer Reise-Teilnehmer ließ es sich nicht nehmen, sich von zwei Damen unserer Gruppe persönlich von zu Hause abholen zu lassen ☺. Trotz der Verzögerung erreichten wir unser Flugzeug noch rechtzeitig. Viel Zeit hatten wir dafür in Wien beim Umsteigen. Und die brauchten wir auch, weil einige, den Herdentrieb folgend, erst einmal den Sicherheitsbereich verließen.

In Thessaloniki wurden wir sehr warmherzig von Natasa Andronikou, unserem Guide in Empfang genommen. Mit dem Bus ging es eineinhalb Stunden nach Süden. Unser Hotel lag auf der Halbinsel Kassandra.  Kassandra ist der erste Finger von Chalkidiki - Sidonia und der Athos die weiteren. Unsere erste Bleibe war im Simantro-Beach-Hotel in Sani. Manche nutzten den Rest des Tages noch zu einem Bad im Meer - andere zu einem kleinen Spaziergang am Strand.

Unsere Besichtigungen auf den Spuren des Apostels Pauls begannen am Freitag, den 20. Mai in Thessaloniki. Hätten wir die geographische Chronologie einhalten wollen, sollte unser Weg an diesem Tag nach Kavala, Philippi und Lydia führen. Da jedoch der 20. Mai der Gedenk-Tag der Hl. Lydia ist und an diesem Tag in Lydia viele Pilger erwartet wurden, starteten wir unser Besichtigungs-Programm in Thessaloniki.

Unser erster kurzer Stopp in Thessaloniki erfolgte am Galerius-Bogen. Dieser Triumphbogen war Teil eines ganzen Komplexes, zu dem ein Palast, ein Hippodrom und eine Rotunda gehörten. Benannt ist der Komplex nach dem römischen Kaiser C. Galerius Valerius Maximianus, der um 250 n. Chr. in der Nähe von Sofia geboren wurde und hier in Thessaloniki seine kaiserliche Residenz aufschlug. Galerius gilt, zumindest dem Christen Lactantius zufolge, traditionell als der Anstifter der Großen Christenverfolgung unter Diokletian. „Zuletzt litt Galerius an einer pestartigen Krankheit. Am 30. April 311, kurz vor seinem Tod, verfügte er jedoch ein Toleranzedikt (Duldungserlass): Durch den Erlass wurde die Christenverfolgung beendet und das Christentum zur religio licita (erlaubten Religion), indem es den Christen Zusammenkünfte erlaubte, soweit diese die öffentliche Ordnung nicht störten. Auch billigte - vielmehr gebot - der Erlass des todkranken Kaisers die Wiederherstellung der christlichen Kirchen. Durch die Mailänder Vereinbarung von 313 wurden zum erstenmal in der Geschichte Christen in gewisser Weise gesetzlich anerkannt. Die Kirche erhielt ab 313 erstmals staatliche Gelder, die vorher nur an die bisherige, heidnisch dominierte Staatsreligion floss. Der Bischof erhielt gewisse, staatlich wirksame Prozessrechte, und er durfte die kaiserliche Post benutzen.“[i]

Der Triumpbogen wurde zu Ehren der Galerius aus Anlass seines Sieges über die Perser 305 n.Chr. hier errichtet. Bis heute rätselt man über die Funktion der Rotunda. Die einen deuten das Bauwerk als Tempelbau, die anderen als Mausoleum für Galerius. Kurz nach 380 n. Chr wurde dieser Rundbau unter dem christlichen Kaiser Theodosius in eine Kirche umgewandelt. Damit ist die Rotunda nicht nur die älteste Kirche Thessalonikis, sondern eine der ältesten erhaltenen Kirchen des Christentums überhaupt!

Von hieraus führte unser Weg in die Evangelische Kirche Deutscher Sprache. Die Räume der Gemeinde befinden sich im ersten Stock eines Reihenhauses. Dort richtete sich die Gemeinde in zwei ehemaligen Wohnungen ein. Das Büro, eine Küche, verschiedene Verwaltungsräume und ein schön gestalteter Gottesdienstraum befinden sich dort. Hier feierten wir einen Gottesdienst und hatten eine Begegnung mit Pfarrerin Ulrike Weber. Nach dem Gottesdienst luden uns Gemeindeglieder zu einem kleinen Imbiss ein und Pfarrerin Weber erzählte von ihrer Arbeit.

Anschließend besuchten wir kurz die Sophienkirche und drehten eine Runde im Basar am Aristoteles-Platz. Leider begann es zu regnen. So machten wir aus der Not eine Tugend und verbrachten die freie Zeit in einem der Lokale in dieser Gegend. Unser Treff war dann der weiße Turm an der Uferpromenade. Von hieraus fuhren wir mit dem Bus entlang der byzantinischen Stadtmauer hinauf auf den Berg. Mit einem grandiosen Blick auf Thessaloniki verabschiedeten wir uns von der Stadt, die im Leben des Apostels Paulus eine wichtige Rolle spielte. In seinem 1. Brief an die Gemeinde in Thessalonich Kapitel 1 schrieb er: „Immer, wenn wir für euch alle beten, danken wir Gott von ganzem Herzen. Wir werden dann immer daran erinnert, mit welcher Selbstverständlichkeit ihr euren Glauben in die Tat umsetzt, mit welcher Liebe ihr für andere sorgt und mit welcher Hoffnung und Geduld ihr auf das Wiederkommen unseres Herrn Jesus Christus wartet. Und obwohl ihr deswegen viel leiden musstet, habt ihr Gottes Wort mit einer solchen Freude aufgenommen, wie sie nur der Heilige Geist schenken kann. So seid ihr für die Christen in ganz Mazedonien und in der Provinz Achaja zum Vorbild geworden. Aber nicht nur dort habt ihr das Evangelium weitergesagt, auch an vielen anderen Orten spricht man von euerm Glauben, so dass wir darüber nichts mehr berichten müssen. Im Gegenteil! Überall spricht man davon, wie freundlich ihr uns aufgenommen habt, dass ihr nicht länger die toten Götzenbilder anbetet, sondern zu dem lebendigen, wahren Gott umgekehrt seid und ihm allein dient.“

Am folgenden Tag, Samstag, den 21. Mai, hatten wir ein Highlight auf unserem Programm. Wir wollten auf den Spuren des Apostels Paulus die Orte seines ersten Aufenthaltes auf europäischen Boden aufsuchen. In der Apostelgeschichte heißt es dazu: „Da fuhren wir von Troas ab und kamen geradewegs nach Samothrake, am nächsten Tag nach Neapolis und von da nach Philippi, das ist eine Stadt des ersten Bezirks von Mazedonien, eine römische Kolonie. Wir blieben aber einige Tage in dieser Stadt.“ Apg 16,11f  Von Philippi aus ging der Weg des Apostels weiter nach Thessalonich. „Nachdem sie aber durch Amphipolis und Apollonia gereist waren, kamen sie nach Thessalonich; da war eine Synagoge der Juden.“ Apg 17,1

Auf dem Weg nach Kavala, dem einstigen Neapolis, machten wir zunächst Halt in Amphipolis. „Im 6. Jh. v. Chr. gründeten Thraker oberhalb des Flusses Strymon auf einem Plateau, das an drei Seiten vom Wasser umgeben war, eine Stadt und nannten sie Neun Straßen (Ennea Hodoi). Die Einwohner kontrollierten das Flusstal und damit die Route von Makedonien nach Thrakien, die hier den Fluss überquerte. Der größte Reichtum der Gegend waren aber die Goldvorkommen im nahen Pangaiongebirge. Im Jahre 437 v. Chr. wurde die Stadt von den Athenern erobert und in Amphipolis (Stadt am Umlauf) umbenannt.“[ii]

Auf einer unserer früheren Reisen besuchten wir die Ausgrabungsstätte, die auf dem Berg liegt. Leider regnete es an diesem Tag pausenlos. Wir wären auf dem Gelände der ehemaligen Hauptstadt des ersten makedonischen Bezirkes im Schlamm versunken. So machten wir lediglich im Tal am „Löwen von Amphipolis“ halt. Der Löwe ist quasi das Wahrzeichen der archäologischen Stätte von Amphipolis. Ursprünglich war der Löwe Teil eines Grabmals für einen General Alexanders des Großen, der aus dieser Stadt stammte.

Unsere Reise ging weiter nach Lydia, der Taufstelle der ersten Christin in Europa. Ich hatte es mir in meinen Vorstellungen so schön ausgemalt, dass wir uns auf die Stufen der Taufstelle setzen und dort unsere Andacht halten. Leider wurde aus diesem Plan nichts, da der Dauerregen uns dazu keine Chance gab. So besichtigten wir zunächst die schöne orthodoxe Tauf-Kapelle und hielten dann nahe der Taufstelle unter einem Pavillon unsere Andacht.

Nach einem Mittagessen ging es dann im Eilschritt über das Ausgrabungsgelände in Philippi. Kurzzeitig lies der Regen etwas nach. Vorbei am Theater, der Basilika A, der Basilika C, dem Gefängnis des Paulus gelangten wir zum Forum der Stadt. Entlang des Markplatzes verlief die Via Egnatia.

Die Via Egnatia wurde 130 v.Chr. als Militärstraße angelegt und war Teil des Straßensystems im Imperium Romanum. Das römische Fernstraßennetz umfasste einst 80 000 Kilometer. Die Entfernung von Philippi nach Thessaloniki beträgt mehr als 150 Kilometer. Paulus ist mit seinen Gefährten diese Straße auf der Via Egnatia gelaufen. Als wir auf der Via Egnatia am Markt von Philippi standen, schilderte uns Natasa diese Zusammenhänge so plastisch, dass wir im Geist den Apostel über die Via Egnatia laufen sahen.

Unser letztes Ziel an diesem Tag war Kavala. Hier landete Paulus mit seinen Weggefährten auf europäischen Boden. Unweit der Kirche Agiou Nikolaou werden Poller gezeigt, an denen das Schiff einst festgemacht haben soll. Dahinter ist ein Mosaik mit der Ankunftsszene zu sehen. Wir konnten dies lediglich aus dem Bus anschauen und fuhren nach einer Stadtrundfahrt zurück zu unserem Hotel.

Am Sonntag, den 22. Mai, verließen wir Kassandra und brachen gen Westen auf. Unser erstes Ziel war Pella, die Hauptstadt des Makedonischen Reiches unter Philipp II. und Alexanders des Großen. Pella liegt nur 40 km westlich von Thessaloniki. Einst grenzte die Stadt an den Ludias-See und hatte einen Hafen. Heute ist der See längst verlandet und Pella befindet 30 km vom Thermaischen Golf entfernt. Hier in Pella weilte u.a. auch Aristoteles, der Lehrer Alexanders.

Während eines früheren Besuches von Pella im Jahre 2002 sind wir über das Ausgrabungsgelände gegangen und haben die schönen Fußbodenmosaiken überdacht vor Ort anschauen können. Damals gab es nur ein kleines Museum mit einigen wenigen Fundstücken. Heute sind die Mosaiken in einem neuen, großzügig gestalteten Museum untergebracht. Unter der Leitung von Natasa gingen wir durch das Museum und hörten dazu griechische Geschichte.

Unser nächster Halt war in Beröa. Den dortigen Aufenthalt des Völkerapostel hält die Apostelgeschichte mit folgenden Worten fest: „Als sie dahin kamen, gingen sie in die Synagoge der Juden. Diese aber waren freundlicher als die in Thessalonich; sie nahmen das Wort bereitwillig auf und forschten täglich in der Schrift, ob sich's so verhielte. So glaubten nun viele von ihnen, darunter nicht wenige von den vornehmen griechischen Frauen und Männern.“ Apg 17,10-12

Im heutigen Veria erinnert noch ein kleines Areal an die Missionare. Hier fanden wir einen dreigliedrigen Altar mit Mosaiken, die Szene der Missionsreise des Apostels darstellen. In den Flügelaltar sind drei alte Steinstufen eingearbeitet, die an die Predigt des Apostels erinnern sollen. Hier, an diesem schönen Ort, konnten wir unsere Andacht halten.

Zehn Kilometer südöstlich liegt Vergina. Im Jahre 1977 machte der Archäologe Manolis Andronikos eine sensationelle Entdeckung. Er fand das Grab Philipp II, dem Vater Alexander des Großen. Seitdem ist dieser Ort eine Art nationale Pilgerstätte geworden. Unter einem 13 Meter hohen Tumulus mit einem Durchmesser von über 100 Metern fand man drei Königsgräber - eines davon ist das Grab Philipp II. Heute ist dieser Erdhügel als ein Museum gestaltet. Nach dem Mittagessen in einem schönen Restaurant besichtigten wir mit Natasa  dieses Museum.

Es war Nachmittag geworden und wir hatten noch eine weite Strecke von über dreihundert Kilometern vor uns. Dank der neuen Autobahn, die es 2002 noch nicht gab, kamen wir zügig voran. Die Landschaft wurde im Laufe unserer Fahrt immer schöner und eindrucksvoller.

Am Abend kamen wir in Kalambaka bei den Metoara-Klöstern an, bezogen unser Hotel, wanderten oder nahmen im hoteleigenen Pool ein Bad und ließen uns das Abendbrot munden. Das Famissi Eden Hotel liegt am Rande von Kalambaka unweit des Felsens, auf dem sich das Stefanos-Kloster befindet. Hier an diesem schönen Ort verweilten wir zwei Nächte.

Am fünften Tag unserer Reise, Montag, den 23. Mai, gelangten wir an den westlichsten Punkt unserer Tour. Unser Ziel lautete Dodoni. Dodona war neben Delphi eine bekannte Orakelstädte Griechenlands.

„Die Gründungssage beschreibt eine enge Beziehung zum Alten Ägypten. Laut einer Variante der Gründungssage, die Herodot im ägyptischen Theben hörte, entführten Phönizier zwei Priesterinnen aus Theben und verkauften eine von ihnen nach Libyen, wo sie in der Oase Siwa das Heiligtum des Zeus Ammon stiftete. Die andere verkauften sie nach Dodona, wo sie den Kult des Zeus begründet haben soll. In Dodona selbst wurde Herodot erzählt, dass aus Theben zwei schwarze Tauben entflogen seien, von denen eine in die Oase Siwa flog und ein Orakel des Zeus gestiftet habe, während die andere bis Dodona gekommen sei. Dort habe sie sich auf einer Eiche niedergelassen und die Bewohner mit menschlicher Stimme angewiesen, hier ein Zeusorakel zu errichten. Schon Herodot deutete die Tauben allegorisch als Priesterinnen.“[iii]

Zusammen mit Natasa wanderten wir über das Ausgrabungsgelände. Zuerst kamen wir am Theater vorbei. Dies ist das Glanzstück der gesamten Anlage. 18000 Personen soll es einst Platz geboten haben. Ich habe nur in Epidauros ein vergleichbares Theater gesehen. Sehr anschaulich erklärte uns Natasa, wie ein griechisches Theater funktionierte.

Vorbei am Haus der Priester und dem Schatzhaus gelangten wir zu den eigentlichen Tempelanlagen. „Die antiken Priester verkündeten ihre Orakelsprüche unter einer großen Eiche, in deren rauschenden Blättern sie die Stimme der Götter zu hören meinten. Andere Medien der Kommunikation zwischen Himmel und Erde waren das Zwitschern der Vögel, das Rauschen einer Quelle oder der Klang eines angeschlagenen Kessels. Später wurde bei der Eiche eine erste Tempelanlage errichtet. Zu besichtigen sind heute die Fundamente diverser Tempel sowie Überreste einer Basilika aus dem 5. Jh. n. Chr.“[iv]

Unser nächstes Reiseziel war Inoanina. Der Name der Stadt geht auf ein Kloster, das dem Hl. Johannes geweiht war, zurück. Ioanina liegt am Pamvotis-See.

Noch heute schwingt in dieser Stadt die Osmanische Besatzungszeit nach. „ Ali Pascha („Löwe von Janena“) war eine schillernde Figur der türkischen Expansionspolitik. Er wollte in Epirus einen unabhängigen Staat gründen. Aber sein Vorhaben misslang. Als Unterstützer der Aufständischen, der griechischen Unabhängigkeitsbewegung wurde er 1820 als vogelfrei erklärt und Sultan Mahmud II entsandte eine Armee, um die Stadt zu stürmen. Ali Pascha blieb über ein Jahr in seiner Festung eingeschlossen und versuchte im Februar 1822, in das Kloster Agios Penteleimon auf der Insel im See von Ioänina zu flüchten, wo er von einer Flintenkugel tödlich getroffen wurde. Im Boden des Klosters kann man noch heute die Kugel sehen.“[v]

Wir fuhren mit dem Bus durch diese quirlige Stadt, entlang der türkischen Stadtmauer und setzten mit einem Boot auf die Insel im Pamvotis-See über. Zunächst wanderten wir durch die malerischen und gemütlichen Gässchen bis wir schließlich in einem hübschen Restaurant einkehrten und zu Mittag speisten. Dann ging unsere Wanderung weiter durch diesen gemütlichen Ort zum Filanthropinon-Kloster. Das Kloster stammt aus dem Jahr 1292, war in osmanischer Zeit eine Geheimschule der Griechen und ist mit hochkarätigen Ikonen von der Kretischen Schule ausgemalt.

Die Bootsfahrt und der Aufenthalt auf der Insel war etwas für die Seele. Eigentlich wollten wir hier in Ioanina das archäologische Museum besuchen, in dem Fundstücke von Dodona zu sehen sind. Aber am Montag sind, wie fast überall, die Museen geschlossen. So war unsere Bootsfahrt eine gute Alternative.

Am späten Nachmittag kehrten wir in unser Hotel in Kalambaka zurück. Es war noch Zeit, eine kleine Wanderung in das alte Dorf unterhalb der Meteora-Felsen zu unternehmen.

Wie schon am Vortag begann unser nächster Tag mit einer Andacht in der Felsenkapelle auf dem Hotelgelände. Es war Dienstag, der 24. Mai. Nach der Andacht nahmen wir Abschied von unserem schönen Hotel und fuhren in die Ikonen-Genossenschaft, um Ikonen und andere Mitbringsel zu kaufen. Hier wurde uns die Technik der Ikonen-Herstellung erklärt und vorgeführt. Dann ging es hinauf zu den Meteora-Klöstern. Die Meteora-Klöster liegen östlich  des Pintos-Gebirges. Voller Begeisterung schreibt ein Reiseführer über diese faszinierende Landschaft: „Zweifellos nicht nur eine der schönsten Landschaften Griechenlands, sondern der ganzen Welt! Wer erstmals die einzigartige Szenerie der stalagmitförmigen, dunklen Felsen sieht, ist meist tief beeindruckt. Das grandiose Panorama der himmelhohen, riesigen Steinsäulen und bizarren Felsnadeln des Steinernen Waldes am Rand der thessalischen Tiefebene ist in der Tat unvergesslich - und wohl der idealste und weltabgewandteste Platz, den man in Europa finden kann, um Klöster zwischen Himmel und Erde zu errichten.“[vi]

Die Geschichte dieser Klöster begann im 9. Jahrhundert, als sich Einsiedler hier in die Felsspalten zum Gebet zurückzogen. Die ersten Klöster entstanden im 12. Jahrhundert. Wir besuchten das Stefanos-Kloster und das Kloster Rousanou. Zu beiden Klöstern hatte unsere Reiseleiterin einen persönlichen Bezug. Das neue Katholikon des Stefanos-Klosters hat Natasas Onkel der Ikonenmaler Vlassi Tsotsoni im kretischen Stil ausgemalt. Und im Kloster Rousanou verbrachten sie einige Zeit bei den Nonnen.

Noch eine Attraktion wartete auf uns an diesem Tag. Wir waren in einem speziellen Restaurant zum Mittagessen eingeladen. Hier steht noch die 78jährige Oma in der Küche. Die Gäste gehen am großen Herd vorbei und lassen sich die gewünschten Köstlichkeiten auf den Teller geben.

Wir hatten noch etwas Zeit, nach dem Mittagessen uns die Beine zu vertreten. Dann traten wir die lange Busfahrt (über 5 Stunden) zu unserem ersten Hotel an. Unsere Route führte uns durch die thessalische Ebene. Wir kamen durch Larisa. Hier liegt der berühmte Arzt Hippokrates begraben. Von hier stammt Natasa. Unsere Fahrt ging weiter entlang des Flusses Peneios, der sich zwischen Olymp- und Ossa-Gebirge durch eine Schlucht schlängelt. Atemberaubend ist die Landschaft hier in der Tempi-Schlucht. Am Olymp vorbei, den wir gut sehen konnten, führte dann unsere Reiseroute wieder nach Norden - über Thessaloniki zu unserem Hotel auf Kassandra.

Mittwoch, der 25. Mai war zum Relaxen vorgesehen. Viele nutzten diesen Tag, um am Strand zu liegen, zu lesen und um baden zu gehen. Das sonnendurchflutete Wetter lud auch dazu ein. Ich bin zusammen mit dem Ehepaar Rau und Manuela Schreyer nach Kallithea gefahren. Das hiesige Heiligtum des Zeus Ammon, der einzige Tempel in Europa mit ägyptischer Herkunft, zählte zu den bedeutendsten Tempeln dieser Gottheit. Lange Zeit suchten Wissenschaftler vergeblich nach der Kultstätte, bis man auf die Überreste des dorischen Tempels stieß, der vermutlich aus dem 4. Jh. v. Chr. stammt. Den konkreten Bezug zu Ammon Zeus lieferte eine Tonschale mit seinem Namenszug, die in der Nähe des einstigen Altars ausgegraben wurde.“[vii]

Ich war im Jahre 2011 bereits einmal hier. Damals war die Ausgrabungsstätte leider geschlossen. Dieses Mal war sie wieder oder immer noch geschlossen. Das hielt uns allerdings nicht von einem kleinen Abenteuer ab. Von dem angrenzenden Hotel versuchten wir in das Archäologische Areal zu kommen - leider vergebens. Wir umrundeten das Gelände und fanden am Berg oberhalb des Zeustempels eine Lücke im Zaun. Nun begann ein halsbrecherischer Abstieg am Steilhang. Das größte Problem war ein kleiner Fluss, der den Berg rutschig werden und den Weg am Berg mit Wasser volllaufen ließ. Es half nichts, die Schuhe mussten ausgezogen werden und ich watete durch den knöcheltiefen Schlamm. Unten angekommen, konnten wir die Ausgrabungsstätte besichtigen. Plötzlich tauchte ein Wärter auf. Wir befürchteten schlimmes. Aber er versuchte uns nur verständlich zu machen, dass das Wasser die Ursache der Schließung sei, denn das ganze untere Terrain stand unter Wasser. 

Von diesem kleinen Abenteuer zurückgekehrt, genossen wir am Nachmittag die Sonne und das Meer. Genau gegenüberliegend sahen wir den Olymp.

Am Donnerstag, den 26. Mai hieß es von Griechenland Abschied nehmen. Da unser Flugzeug erst 16.00 Uhr in Thessaloniki startete, hatten wir den ganzen Vormittag noch Zeit zum Schwimmen, Wandern und Lesen. Die Heimreise verlief ohne Komplikationen. In Wien hatten wir wenig Zeit zum Umsteigen. Gegen 22.00 Uhr waren wir wieder zu Hause.

In seinem Büchlein „Über das Unglück, ein Grieche zu sein“ fragt Nikos Dimou: „Wer sind wir nun eigentlich? Die Europäer des Orients oder die Orientalen Europas? Die Entwickelten des Südens oder die Unterentwickelten des Nordens? Die (direkten) Nachkommen der Achäer oder das Stammesgewirr von Babel?“

Ich kann diese Frage als Außenstehender nicht beantworten. Aber Griechenland weckt in mir große Sympathien, darum zieht es mich hierher immer wieder zurück. Es war meine neunte Griechenlandreise. Meine Sympathie für Griechenland hängt wohl mit der Aufgeschlossenheit und dem Temperament seiner Menschen, seiner Europa prägenden Geschichte und des Glaubens zusammen, der von hieraus seinen Weg über den europäischen Kontinent nahm und nach wie vor hier tief verwurzelt ist.

Herzlich danken wir der Reisemission Leipzig, insbesondere Frau Mahmoud, die uns sehr kompetent, ermutigend und freundlich bei der Vorbereitung der Reise zur Seite stand. Danken möchten wir Natasa und Apostoli, die uns sehr warmherzig, umsichtig und horizonterweiternd auf unserer Reise durch Nord-Griechenland begleiteten. Und danken möchten wir Gott, der uns bewahrte, erfreute und segnete.

 

Friedrich Preißler

 


[i]               https://de.wikipedia.org/wiki/Galerius

[ii]              Christoph vom Brocke Griechenland EVA Leipzig 2007 S.74

[iii]              https://de.wikipedia.org/wiki/Dodona

[iv]              Reiseführer Nord- und Mittelgriechenland, Michael Müller Verlag Erlangen 2007 S. 135f

[v]                Reiseführer Nord- und Mittelgriechenland, Michael Müller Verlag Erlangen 2007 S. 130

[vi]              Reiseführer Nord- und Mittelgriechenland, Michael Müller Verlag Erlangen 2007 S.156

[vii]             Reiseführer Chalkidiki, Michael Müller Verlag Erlangen 2009 S.141





 




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