Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsen
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Lätare 2016

Predigttext:  2.Kor 1,3-7       

3 Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes, 4 der uns tröstet in aller unserer Trübsal, damit wir auch trösten können, die in allerlei Trübsal sind, mit dem Trost, mit dem wir selber getröstet werden von Gott. 5 Denn wie die Leiden Christi reichlich über uns kommen, so werden wir auch reichlich getröstet durch Christus. 6 Haben wir aber Trübsal, so geschieht es euch zu Trost und Heil. Haben wir Trost, so geschieht es zu eurem Trost, der sich wirksam erweist, wenn ihr mit Geduld dieselben Leiden ertragt, die auch wir leiden. 7 Und unsre Hoffnung steht fest für euch, weil wir wissen: wie ihr an den Leiden teilhabt, so werdet ihr auch am Trost teilhaben.

 

Liebe Gemeinde!

 

Der Ismus von Korinth ist eine Landenge zwischen dem griechischen Festland und der Peloponnes - jener großen Halbinsel im Süden Griechenlands, auf der sich ein Großteil der Geschichte Hellas abgespielt hat.

Die Stadt Korinth lag auf der Peloponnes – unweit zweier wichtiger Häfen. Lechaion (griechisch Λέχαιον) lag am Golf von Korinth. Vom Westen kamen hier die Schiffe an. Der andere Hafen lag am Saronischen Golf und hieß Kenchreai (griechisch Κεγχρεαί). Dieser Hafen führte in östliche Richtung. Dazwischen liegt die kleine Landbrücke zwischen der Peleponnes und dem Festland, die man Istmus nennt.

Dass diese ganze Gegend für das antike Griechenland von enormer Bedeutung war zeigt, dass hier am Isthmus – in der Nähe von Korinth die isthmischen Spiele stattfanden – einer der 4 Austragungsorte der Panhellenischen Spiele (Olympia, Delphi, Korinth und Nemea). 

Zwischen dem Korinthischen und Saronischen Golf gab es in der Antike eine interessante Erfindung - den Diolkos. Er wurde gebaut, um den Seeweg von West nach Ost / vom Ionischen Meer zur Ägäis, zu verkürzen und um das gefährliche Kap Malea zu vermeiden. Der Diolkos war eine Art antike Eisenbahnstrecke und verband über dem Landweg den Korinthischen und Saronischen Golf. Er war von ca. 600 v. Chr. bis zur Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. in Betrieb. (1893 Kanal)

Auf einer Strecke von über 6 km Länge pflasterte man einen Weg mit einer Breite zwischen 3,4 und 6 m Breite. Im Pflaster befanden sich zwei Rillen in einem Abstand von 160 cm. In diesen Rillen liefen die Räder von Wagen, auf denen man die Schiffe von der einen Seite auf die andere zog. Der Fahrweg überquerte mit einer durchschnittlichen Steigung von 1:70 den Isthmus auf einer Höhe von ca. 79 m, wobei der steilste Abschnitt bis zu 6 % Gefälle aufwies.

Man hat ausgerechnet, dass etwa 112 – bis 142 Männer nötig waren, um schwere Schiffe von der einen Seite auf die andere über den Berg zu ziehen. Beim Anfahren wären es sogar knapp 180 Leute gewesen. Bei einer Ziehgeschwindigkeit von 2 km/h bei einer geschätzten Streckenlänge von 6 km wäre der Transfer über den Isthmus so in drei Stunden zu bewältigen gewesen.

Was hat das alles mit unserem PT zu tun? In unserem PT geht es um Zeiten der Traurigkeit und Trauer, um Trost und das Trösten.

Ich möchte den Diolokos mit dem Trösten vergleichen. Was geschieht beim Trösten an uns und mit uns? Wie erfahren wir Trost? Wo ist er vonnöten? Wozu sollen wir getröstet werden? Wer ist der kompetente Tröster? Wodurch werden wir getröstet? Und Wohin soll es beim Trost gehen?

7 Fragen stehen auf, wenn wir uns für den Trost interessieren.

Was, Wie, Wo, Wozu, Wer, Wodurch und Wohin?

1. Was geschieht beim Trost?

Das deutsche Wort „Trost“ bedeutet „Vertrag, Bündnis“ und hat sich über die ursprüngliche Bedeutung „innere Festigkeit“ zu dem heutigen Begriff hin entwickelt. Darum geht es beim Trösten, dass ein Mensch wieder oder überhaupt eine innere Festigkeit gewinnt. Wir brauchen etwas oder jemand, der uns wieder zum inneren Einklang mit unserem Leben führt.

Es ist wie beim Diolkos am Istmus. Ein Schiff kommt in dem einen Golf an und die Besatzung weiß doch, dass die Reise weitergehen muss. Das geht aber, wie es sich herausstellt, nicht so einfach. Ein enormes Hindernis muss überwunden werden.

So ist es in der Trauer. Durch Lebensumstände ist man an einem Endpunkt angekommen - aber man weiß, dass man die Reise fortsetzen muss – doch man weiß nicht wie. Man spürt, dass man auf eine andere Seite muss – dorthin, wo das Leben wieder fließt. Es ist wie ein großer Berg, der vor einem steht und überwunden werden muss. Alles, was mir dabei an Hilfe zufließt, wodurch man wieder eine innere Festigkeit gewinnt – nennen wir Trost.

2. Wie erfahren wir Trost?

Das griechische Wort, das für Trost, trösten verwendet wird, kann folgende Bedeutungen haben: „herbeirufen, einladen, zu Hilfe rufen“. Trost setzt also voraus, dass ich einen anderen um Hilfe anrufe. Ich spüre, dass ich in dieser Situation nicht allein bleiben kann und darf. Ich muss mich für Hilfe öffnen. Ich muss nach Hilfe suchen und darum bitten.

Es ist wie bei dem Diolkos am Istmus. Die Schiffe, die im Golf von Korinth ankamen, mussten das Wasser verlassen und diese antike Eisenbahnstrecke benutzen. Und das kostete etwas.

Und diese Strecke war vor allem nicht mit einem Ruck überwunden. Aber wie es sich später immer herausstellte, war dies viel sicherer und kürzer, als um die ganze Peleponnes zu segeln.

So ist das  auch auf der Suche nach Trost. Dabei ist wichtig, dass man den richtigen Tröster finden muss, dem man sich öffnet. Alkohol, Drogen, Reichtum, Erfolg - also Dinge können zum Tröster werden. Auch Menschen, Idole können zum Tröster werden. Hiob warf seinen Freunden vor, dass sie „leidige Tröster“ (16,2) seien – also Tröster ohne Trost, die nur kraftloses und saftloses Gerede von sich gaben.

Manchmal ist jedes Wort zu viel. Und wenn wir leiden oder mit einem Leidenden zu tun haben, so rät uns die Bibel, dass wir beten sollen (Leidet jemand unter euch, der bete Jakobus 5,13). Was Hiobs Freunde anfänglich taten, nämlich weinen, Kleider zerreißen, Sand auf das Haupt streuen und schweigend einfach dem Hiob längere Zeit nahe zu sein, war das Beste an ihrem Besuch (Hiob 2, 11-13). Was reizte sie dann doch zu reden? Überheblichkeit und Selbstgefälligkeit? Falsche Selbsteinschätzung oder Unsicherheit? Solche Tröster brauchen wir nicht.

Also müssen wir prüfen, ob der, der mich trösten will oder soll - mich nicht vertröstet, sondern wirklich trösten. Wir brauchen kurzum ein großes starkes „DU“, das die Unwägbarkeiten des Lebens kennt und vielleicht selbst durch diese Nöte und Tiefe gegangen ist und eine Kraft hat, mich aus dem Sumpf der Traurigkeit zu ziehen.

3. Wo ist Trost vonnöten?

Paulus spricht von dem „Gott allen Trostes“. Er meint also damit, dass Gott auf jede Form der Trostbedürftigkeit eine wirksame Antwort hat.

Wenn wir einmal unser Leben genauer anschauen, werden wir stauen, wo wir überall Trost nötig haben und instinktiv nach Trost suchen. Wir können immer und überall in eine trostlose Situation hineingeraten und trostbedürftig werden. Überall da, wo in unserem Leben etwas offen ist, wo wir Verluste erleiden, wo unsere Seele zu leiden beginnt, brauchen wir Trost.

Ein Kind, dem die Puppe kaputt geht oder dem das Lieblingstier stirbt braucht genauso Trost, wie ein Erwachsener, der seinen Arbeitsplatz verloren hat, oder dem eine Beziehung zerbrochen ist, oder dem ein lieber Mensch verlustig ging.

Überall da, wo sich Wunden in unserer Seele auftun – kleine oder große – ist Trost vonnöten. Verluste, Ängste, Sorgen, Enttäuschungen, innere Verletzungen – all das sind Hiebe auf unsere Seele.

Und nun sagt Paulus: in allem können wir uns damit an Gott wenden. Er ist der Gott allen Trostes. Vielleicht denken wir, mit Banalität könnten wir Gott nicht belästigen. Nein, nein, es ist ganz anders. Gott ist unser Vater und er kümmert sich in allen Belangen um seine Kinder.

Unsere Väter im Glauben haben hier ganz anders gedacht und geglaubt. Wir kennen wohl alle das Lied: „Wer nur den lieben Gott lässt walten und hoffet auf ihn allezeit, den wird er wunderbar erhalten in aller Not und Traurigkeit.“ Dieses Lied aus unserem Gesangbuch ist ungefähr so alt, wie die Hl. Dreifaltigkeitskirche. Es wurde 1657 von Georg Neumark gedichtet und komponiert. Wer war dieser Mann?

Georg Neumark wollte im Herbst 1640 von Mühlhausen nach Königsberg um Jura zu studieren. Der Weg nach Ostpreußen war weit und im dreißigjährigen Krieg gefährlich. Neumark schloss sich deswegen einem großen Reisezug von Kaufleuten an. Doch schon bei Magdeburg in der Altmark wurde der Tross überfallen. Neumark verlor alles - Geld und das Ziel. Völlig mittellos stand er da und wusste nicht mehr,  wie es im Leben weitergehen sollte.

Ausgehungert kam er in Lübeck an. Er wurde zu einem Flüchtling wie viele damals. Ein thüringischer Landsmann, Pfarrer Nikolaus Becker fand nach langem Warten für ihn eine Hauslehrerstelle. Zum Dank für diese neue Chance, die er im Leben bekam, schrieb Georg Neumark ein Lied, das den Titel trug: „Trostlied, dass Gott einen jeden zu jeder Zeit versorgen und erhalten will.“

„Trostlied, dass Gott einen jeden zu jeder Zeit versorgen und erhalten will.“ – Dahinter muss man erst einmal kommen, dass alles im Leben mit Trost zusammenhängt. Wir Menschen brauchen immer und zu jeder Zeit Trost. Und das ist nicht erst in einer so instabilen und gefährlichen Zeit wie heute so.

4. Wozu sollen wir getröstet werden?

Lassen wir uns wieder an den Diolkos erinnern. Das Schiff musste über den Berg gezogen werden. Das ist auch bei uns so. Wir brauchen Trost, damit wir über den Berg kommen. Wir sollen wieder Stabilität, Gewissheit, Geborgenheit, Mut und Lebensfreude finden.

Aber es gibt auch einen zweiten Grund. Paulus schreibt: Damit wir auch trösten können, die in allerlei Trübsal sind, mit dem Trost, mit dem wir selber getröstet werden von Gott.“ Er wendet also sofort unseren Blick weg von uns auf die, die auch Trost brauchen. Mit jeder Gabe verbindet sich zugleich eine Aufgabe. Und das ist wohl wahr: Die selbst durch Nöte gehen mussten und darin getröstet wurden, haben dadurch eine besondere Glaubwürdigkeit und vielleicht auch Vollmacht. Einer, der in Not ist, fühlt sich von einem, der ähnliches erlebt hat, besser verstanden.

5. Wer ist der kompetenteste Tröster?

Was suchen wir da, wenn wir Trost suchen? Was wollen wir da, wenn wir bei Troste sein wollen? Das kleine Kind sucht die Mutter, den ersten vertrauten Menschen, den das Kind im Leben gefunden hat. Der sterbende Mensch sucht die Nähe dessen, der ihm im Leben vertraut war. Wir suchen im Trost die Nähe derer, die uns zum Du geworden sind. Wir suchen im Trost die Geborgenheit. Und Geborgenheit ist nur in der Beziehung, die uns hält und trägt, möglich. Wir sind auf der Suche nach Vertrauen.

Über bestimmte Personen, die uns ans Herz gewachsen sind, suchen wir das Vertrauen. Jeder von uns braucht dieses Urvertrauen. Wir suchen nach einem, der uns glaubwürdig das Ja zu meinem Leben vermittelt.

Die Menschen, die uns dieses Ja zu meinem Leben sagen, können unterschiedlich sein. Und sie wechseln ja auch tatsächlich im Leben. Es gibt keinen Menschen, der uns immer und als einziger dieses Ur-Ja vermittelt. Menschen kommen und gehen. Von daher sollten wir uns nicht letztlich auf die versteifen, die uns dieses Ur-Ja einmal vermitteln. Wichtig ist, dass wir in den unterschiedlichen Lebenssituationen dieses Ja zum Leben heraushören und es finden.

Georg Neumark entdeckte, dass wirklicher Trost letztlich mit Gott zusammenhängt. „Trostlied, dass Gott einen jeden zu jeder Zeit versorgen und erhalten will.“

So stellt uns Paulus Gott vor. „Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes, der uns tröstet in aller unserer Trübsal.“

Und wie tröstet uns Gott? Gott tröstet uns durch Jesus. „Wir werden reichlich getröstet durch Christus.“ – schreibt er.

Schau auf Jesus – er war der Allerverachteste. Und wenn du Verachtung erleidest – geh zu IHM. Bei ihm wirst du dich verstanden fühlen. Er hat auch Verachtung erlitten und ist siegreich hindurchgegangen.

Schau auf Jesus – er war voller Schmerzen und Krankheit. Und wenn wir durch Schmerzen und Krankheit gehen müssen – geh zu Jesus. Bei IHM fühlen wir uns angenommen. IHM kann ich sagen: Du bist der große Schmerzensmann – hilf mir meine Schmerzen zu tragen.

Gott ist das Trösten schwer geworden, als er seinen Sohn am Kreuz leiden sah. Aber er ist gleichsam am dritten Tag aus seiner Trauer aufgewacht und hat Jesus aus den Toten auferweckt. So mächtig wird bei IHM der Trost, der den Tod überwindet. „Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes, der uns tröstet in aller unserer Trübsal.“

6. Wodurch werden wir noch getröstet?

Paulus schreibt: „Haben wir aber Trübsal, so geschieht es euch zu Trost und Heil.“ Paulus schreibt hier etwas vom Geheimnis des Leibes Christi – der Gemeinde.

Lassen wir uns wieder an den Dilokos erinnern. Kein Schiff konnte von einem einzigen über den Berg gezogen werden. Dies war eine Gemeinschaftsarbeit.

So macht Paulus darauf aufmerksam, dass wenn an einer Stelle im Leib Christi gelitten wird, damit Trost an anderer Stelle geschieht. Denken wir bitte immer wieder an unsere verfolgten Brüder und Schwestern. Ihr Leiden geschieht uns zum Trost und Heil.

Es gibt im Leib Christi ein Für-Leiden. Nichts ist umsonst. Alles hat große Zusammenhänge. Bei Gott hat alles große Zusammenhänge. Mir ist so wichtig, dass wir Freude und Leid miteinander teilen, damit wir sie miteinander und füreinander im Gebet tragen können.

7. Wohin will Gott uns damit führen?

Man zog die Schiffe am Istmus über den Berg, dass sie am anderen Hafen wieder ins Wasser gelassen werden konnten. Sie sollen wieder seetüchtig gemacht werden. Aber der nächste Golf war nicht das eigentlich Ziel. Jedes Schiff hatte ein Fernziel.

Trost braucht Zeit. Das ist ein wichtiger Aspekt. Trost kann keine Momentaufnahme sein. Ein schnell dahingesagtes Trostwort kann nicht trösten – Trost braucht Nähe und Zeit.

Andererseits lässt Trost auch manchmal auf sich warten. Es bedarf der Geduld bei denen, die nach Trost suchen. In dem Gesangbuchlied „O Heiland reiß die Himmel auf“ fragt der Dichter Friedrich Spee verzweifelt: „Wo bleibst du Trost der ganzen Welt?“ Trost braucht Zeit.

Aber genau das ist es und bleibt es. Unser Vertrauen richtet sich auf den Trost der ganzen Welt. IHN, Jesus, erwarten wir. Im Vertrauen auf IHN gesunden wir. So werden wir lebenstüchtig und glaubensstark  im Blick auf das große Ziel – Sein Kommen. „Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes, der uns tröstet in aller unserer Trübsal.“

 Amen

 




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