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Auf den Spuren der Mönche


Besinnung auf eine Gemeindereise in die Republik Irland vom 26. Mai bis zum 02. Juni 2013

Tagelang hatte es in der Woche vor unserer Abreise geregnet. Wir meinten, wir würden auf die Wetterverhältnisse in Irland eingestimmt. Man nennt Irland die „Grüne Insel“. Das hängt unter anderem wohl mit der hohen Niederschlagsmenge zusammen, die sich alljährlich auf dieses westliche EU-Land ergießt. Als wir aber wieder zu Hause waren, stellten wir fest, dass es auch einmal umgekehrt sein kann. In Deutschland bahnte sich wieder eine Flutkatastrophe an und wir durften in dieser Zeit in Irland sehr passables Wetter genießen.

Den ersten Tag unserer Reise brachten wir im Prinzip eben nur mit Fahren und Fliegen zu. Von Leipzig aus ging der erste Flug nach Frankfurt. Dort hatten wir einen langen Aufenthalt. Schließlich landeten wir wohlbehalten am Abend in Dublin. Viel mehr als ein kurzer Bummel durch den Dubliner Vorort Leopardstone, in dem sich unser Hotel befand, war an diesem Tag nicht drin. Dafür waren dann die nächsten Tage reich gefüllt mit Eindrücken, Informationen und guten Erfahrungen. Unsere Reiseleiterin Eileen Prendiville führte uns sehr kompetent durch das Land, versorgte uns mit vielen Informationen und zeigte uns zusätzlich zum Programm schöne Plätze in Irland. Das alles zeugte von einer großen Liebe zu ihrer Heimat und wirkte auf uns ansteckend. 


Am Montag, den 27. Mai 2013 begann unsere Rundreise. Das erste Reiseziel, das wir ansteuerten, war Glendalough. Übersetzt bedeutet dieser Name „Tal der zwei Seen“.  Inmitten der Wicklow-Mountains liegt dieser idyllische Ort, an den sich im 6. Jahrhundert der Heilige Kevin zurückzog und hier ein Kloster gründete. Diese Klostersiedlung zählt mit zu den berühmtesten in Irland. Im 12. Jahrhundert sollen hier mehr als 3000 Menschen gewohnt haben.

Gott ist mit der Ausbreitung des Christentums in Irland einen besonderen Weg gegangen. Als im 5. Jahrhundert das Römische Reich, bedingt durch die Völkerwanderung, im Chaos versank, begann Gott am westlichen Rande und außerhalb des Imperiums etwas Neues zu bauen. Irland gehörte nie zum Römischen Reich - hatte aber sehr wohl über England und Frankreich und Spanien viele Verbindungen dazu. Ende des 4. - Anfang des 5. Jahrhunderts berief Gott einen Jungen namens Patrick. Mit 16 Jahren wurde er durch Sklavenjäger von Schottland nach Irland verschleppt. Dort musste er in den Bergen von Ulster die Schafe hüten. Hier erging es ihm fast wie Mose in der Wüste Midian. Nach 6 Jahren sprach Gott zu ihm in einer Vision und zeigte ihm einen Weg, die Insel zu verlassen. Er ging nach Frankreich und wurde dort an der Cote d’ Azur Mönch. Nach seiner Ausbildung sprach Gott wieder zu ihm und gab ihm eine Berufung als Missionar nach Irland zurückzugehen. Ihm erging es hier ähnlich dem Apostel Paulus mit seinem Traum vom Mazedonischen Mann (Apg 16).  Eines Nachts habe Patrick eine irische Stimme gehört, die ihn nach Irland zurückrief. In dieser Vision meinte er, die  Stimme des irischen Volkes zu erkennen, die ihn bat, zurückzukommen.  Dieses Mal kam er freiwillig. Mit 24 Gefährten erreichte er im Jahr 432 Irland und begann hier den christlichen Glauben zu predigen. Dabei zeigte ihm Gott, dass die Ausbreitung des Evangeliums von Anfang an mit einem geistlichen Kampf gegen die Mächte und Gewalten der Finsternis  (Epheser 6) verbunden ist. Patrick holte nach und nach Missionare auf die Insel. Hier in Irland begann der Bau des Reiches Gottes vor allem  durch die Gründung von Klöstern. Anders als im Römischen Reich, in dem sich eine bischöfliche Kirchenstruktur herausgebildet hatte, entstanden hier geistliche Zentren, von denen aus Menschen mit dem Evangelium erreicht wurden. Diese Orte geistlichen Lebens wurden auch Stätten der Bildung und der Kunst, so dass man von Irland auch als der „Insel der Heiligen und Gelehrten“  sprach.

Eines dieser geistlichen Zentren wurde Glendalough. Kevin gehörte nicht zur ersten Generation der geistlichen Väter in Irland. Er soll aus königlichem Geschlecht gestammt haben. In einem Kloster (Kilnamanagh bei Dublin)  bekam er seine Ausbildung. Um das Jahr 549 zog er sich als Eremit nach Glendalough im County Wicklow zurück. Bald kamen andere Mönche zu ihm und er gründete am oberen der beiden Seen von Glendalough eine Abtei. Er selbst lebte meist zurückgezogen im Wald und am Ufer des Sees. Die Fundamente seiner „Zelle“ im Wald (Saint Kevin's Cell) und die Höhle, in der er angeblich schlief (Saint Kevin's Bed) sind bis heute erhalten.

Während der Führung  besichtigten wir das Torhaus, die Kathedrale (Sitz eines Erzbischofs),

Kevins Kitchen,  den Rundturm und das Priesterhaus (Aufbewahrungsort der Reliquien des Hl. Kevin). Dann war Zeit zur freien Verfügung. Wir wanderten in herrlicher Natur zum oberen See und zurück.

Dann ging die Fahrt weiter nach Baltinglass. Zwischendurch machten wir einen Fotostopp in den Bergen der Wicklow Moutains. Von der ehemaligen Zisterzienserabtei in Baltinglass ist leider nicht mehr sehr viel zu sehen. Auch der Ort selbst macht keinen umwerfenden Eindruck. Aber Baltinglass verbindet sich mit dem Namen des berühmten Zisterzienserabtes Malachias. Auf ihn geht die Gründung dieses Klosters zurück.


Der Hl. Malachias wurde 1137 Bischof von Armagh. Im Jahr 1139 reiste er nach Rom. Auf dieser Reise lernte er Bernhard von Clairvaux kennen. Bernhard verfasste eine Hagiographie über Malachias. Die Lebensbeschreibung aus der Feder von Bernhard von Clairvauxs ist die Quelle für fast alles, was man heute über ihn weiß. Dieser Text spricht auch von der prophetischen Gabe des Malachias. Berühmt geworden sind die sogenannten Papstweissagungen des Hl. Malachias.

Man kann die Weissagungen des Malachias  geistlich verschieden einordnen. In der Katholischen Kirche werden sie jedenfalls als Privatoffenbarung eingeschätzt und dennoch diskutiert und bei jeder Papstwahl wieder hervorgeholt. Das zeigt, dass sie für Katholiken eine Bedeutung besitzen und nicht einfach abgetan werden.

Die Weissagungen bestehen aus 112 Sprüchen, die sich auf die Päpste beziehen und von Cölestin II (1143) bis ans Ende der Welt, des Papsttums oder der katholischen Kirche reichen. Es handelt sich bei ihnen um kurze Sprüche, die sich auf die Person des Papstes, auf seine Herkunft, seinen Namen, sein Familienwappen oder auf wichtige Ereignisse während seines Pontifikats beziehen. Ganz unterschiedlich werden diese prophetischen Sprüche von den Forschern interpretiert und kommentiert. Wie dem auch sei, ob die Weissagungen von einem Christen aus dem 16. Jahrhundert stammt, der eine Sehergabe hatte oder auf Malachias zurückgehen, zeigt dennoch, dass die prophetische Stimme in der Kirchengeschichte nie verstummte.

Andererseits wird bis heute auch von der Katholischen Kirche das prophetische Wort aus der Kirchengeschichte der Bibel untergeordnet. Aber es hält das Bewusstsein wach, das Gott bis heute zu Menschen spricht. In unserem Zusammenhang ist wichtig, das Malachias nachweislich eine prophetische Gabe besaß. Dies ist glaubhaft bezeugt.

Im Jahre1142 wurde auf Initiative des Erzbischofs von Armagh Malachias und Bernhard von Clairvauxs das Kloster Mellifont im County Louth am Ufer des Flusses Mattock gegründet. Es liegt circa 10 km westlich der Stadt Drogheda. Baltinglass ist wiederum ein Tochterkloster von Mellinfont und liegt am Fluss Slaney.

Nach dem Mittagessen in Baltinglass und einem ordentlichen Regenschauer ging die Fahrt weiter zum letzten Zielort für diesen Tag: Kilkenny. Die mittelalterliche Stadt zog sich zwischen der St. Canice's Kathedrale und der normmanischen Burg (Kilkenny Castle) hin und es lässt sich bis heute in den kleinen Gässchen des erhaltenen und gepflegten mittelalterlichen Stadtkerns gut flanieren. Zunächst besuchten wir die Kathedrale, die dem Hl. Canice geweiht ist. Errichtet wurde diese frühgotische Kathedrale zwischen 1202 und 1285 und ist die zweitgrößte mittelalterliche Kathedrale Irlands. Der neben der Kirche stehende Rundturm stammt aus dem  Jahre 849.

Der heilige Canisius (oder St. Canice oder Kenneth), nach dem die Stadt benannt wurde, war ein irischer Abt Klostergründer, Priester und Missionar im frühen Mittelalter. Er gilt als einer der zwölf Apostel von Irland und geistlicher Weggefährte des Hl. Colomba.  Im Jahr 543 wurde er Schüler des Hl. Finnian. Im Jahr 565 reiste er  zum Columba auf die Insel Iona vor Schottland.  In Schottland ist er als der Hl. Kenneth bekannt.  Der Hl. Columba hatte eine Prophezeiung,  das vor dem Abend ein „heiliger und ausgezeichneter Mann, hier bei uns ankommen werde“, obgleich stürmische See herrschte.  An diesem Abend wurde Canice dort mit allen Ehren und in aller Gastfreundschaft empfangen. Er predigte von Iona aus bei den Pikten in Schottland. Nach Irland zurückgekehrt, gründete er hier die Abtei Aghaboe sowie das Kloster Kilkenny. Das Kloster in Kilkenny  entwickelte sich zum geistlichen Zentrum der ganzen Region. Die heutige Stadt geht also auf diese klösterliche Ursprünge zurück.

Wir fuhren nach der Besichtigung der Kathedrale  mit dem Bus zur Burg und hatten Freizeit für die Besichtigung des mittelalterlichen Städtchens. In der Welt ist die Stadt heute vor allem durch das gleichnamige Bier bekannt. Im Aspect-Hotel am Stadtrand von Kilkenny fanden wir dann unser Nachtquartier.


Nach einem gemütlichen Frühstück setzten wir am Dienstag, den 28. Mai unsere Irland-Rundfahrt fort. Als erstes steuerten wir die Holycross Abtei an.  Dieses ehemalige Zisterzienserkloster liegt  rund 7 km südlich von Thurles, an der Straße nach Cashel und am Ufer des Flusses Suir im County Tipperary. Einst war dieses Kloster eine berühmte Pilgerstätte. Es wurde eigens wegen eines kleinen Splitters vom Kreuz Jesu 1180 gebaut.

Der Papst Paschalis II. hatte sie im Jahr 1110 Murtogh O’Brien überlassen. 

Nach einer Führung im ehemaligen Kloster durften wir die Kreuzreliquien besichtigen.

Weiter ging unsere Fahrt nach Cashel. Auf einem 65 m hohen Felsen vor der Stadt  thront, von weitem zu sehen, eine große Kathedrale. Dieser Rock of Cahsel spielt in Irlands Geschichte eine wichtige Rolle.

Im 4. Jahrhundert hatten sich die Könige von Munster diesen Ort als ihren Stammsitz auserwählt. Der Heilige Patrick machte die Festung im 5. Jahrhundert zum Bischofssitz.  Er soll hier im Jahr 450 n. Chr. König Aengus getauft haben. Eine Legende erzählt, dass Patrick während der Zeremonie versehentlich seinen Bischofsstab in den Fuß von Aengus gerammt habe, was dieser für ein christliches Taufritual hielt und gleichmütig ertrug.

Im Jahre 1127 wurde Cashel zum Sitz eines Erzbischofs. Eine größere Kirche im irisch-romanischen Stil wurde gebaut. Teile dieser Kirche sind neben dem Rundturm noch erhalten und stellen heute das älteste Bauwerk auf dem Rock of Cashel dar. Interessant für uns ist, das an dieser Kirche auch Baumeister aus Regensburg beteiligt waren. Seinerzeit bestand eine rege Verbindung zwischen Regensburg und Cashel. Im 13. Jahrhundert begann man schließlich mit dem Bau der großen gotischen Kathedrale. Nach der Führung und dem Rundgang auf diesem Burgberg konnten wir im Querhaus der gotischen Kathedrale unsere Andacht halten. Das letzte Lied unserer Andacht war eben verklungen, als es wieder einmal zu regnen begann. Doch - man sollte es nicht glauben – es war der letzte Regen, den wir auf unserer Irlandreise erlebten.

Nach einem kleinen Mittagessen in der Stadt ging unsere Reise weiter nach Cork. Cork ist heute nach Dublin die zweitgrößte Stadt in Irland. Der Legende zufolge soll der Heilige Finbarr in der Zeit zwischen 500 und 600 ein Kloster auf der Flussinsel gegründet haben. Später dann (846) wurden  hier Wikinger ansässig. Sie gründeten in Cork einen Handelsposten. Seit dem Ende des 12. Jahrhunderts beherrschten dann die Normann die Stadt. Für die Stadt Cork spielte schon immer der Hafen eine wichtige Rolle. Von hieraus startete im Jahr  1912 die Titanic ihre Jungfern- und Todesfahrt. Bis 1924 war hier Irlands größter Buttermarkt. Vielleicht erinnert uns das an Cork, wenn wir im Supermarkt die Marke „Kerrygold“ sehen oder kaufen. Nach einem Stadtrundgang fanden wir im Hotel am Flughafen unser Nachtquartier.

Die Stadt Cork war unser südlichster Punkt in Irland. Von hier aus fuhren wir am Mittwoch, den 29. Mai nach Norden und kamen zunächst nach Killarney. An diesem Tag tauchten wir in wunderbare irische Natur ein. Das Wetter beleuchtete die Landschaft in meisterhafter Weise. Der Name der Stadt hat eine romantische Bedeutung - nämlich „Die Kirche der Schlehen“.  Im 7. Jahrhundert stand  auf der kleinen Insel Insfallen im Lugh Leane (irisch Loch Léin; deutsch „See des Lernens“) eine kleine Abtei.

Vielleicht erinnern wir uns an die Geschichten von Münchhausen. Diese haben zu dieser Stadt einen Bezug. Der Autor der  Münchhausen-Geschichten, Rudolf Erich Raspe, liegt nämlich in der Nähe von  Killarney (auf dem Friedhof Killeaghy) in einem anonymen Armengrab begraben. Er beriet einst den Eigentümer des Landgutes Muckross bei der Entwicklung der dort befindlichen Kupferminen.  Raspe erkrankte an Scharlach und starb im November 1794. Wir besuchten zuerst das prächtige Landhaus am Ufer des Sees - inmitten eines schönen Parks gelegen. Das Muckros House wurde im Jahr 1843 im Auftrag von Henry Arthur Herbert, dem damaligen Parlamentsabgeordneten Kerrys  gekauft. Die Herberts empfingen hier viele bedeutende Besucher – u.a. im Jahr 1861 die Königin Victoria von England. Wir hatten Zeit, uns in diesen königlichen Gefilden umzuschauen. In diesem wunderschönen Park wimmelte es nur so von Fotomotiven. Anschließend begaben wir uns zum Torc Waterfall. Nachdem wir genügend Wasser in die Tiefe stürzen sehen hatten, ging die Fahrt weiter zu den Ruinen des Franziskanerklosters Muckros Friary. Hier hielten wir unsere Andacht. Nach einer Mittagszeit in der Stadt Killarney besichtigten wir Ross Castle. Diese mittelalterliche Burg ist ein typisches Beispiel für die Festung eines irischen Clanführers des 15. Jahrhunderts. Von dort brachen wir zum letzten Ziel dieses Tages auf. Bevor wir unser Hotel am Stadtrand von Tralee bezogen, hatten wir Gelegenheit, die Stadt zu erkunden. Bekannt ist die Stadt insbesondere für das Festival „Rose of Tralee” (Schönheitswettbewerb für irische Frauen, die auch vor allem aus der Diaspora daran teilnehmen). Ein weiteres Highlight ist das nationale Folkloretheater Siamsa tire. Wir machten am folgenden Tag damit Bekanntschaft. Viele Touristen nutzen diese Stadt als Ausgangspunkt zu Fahrten auf die Dingle-Halbinsel und zum Ring of Kerry mit dem Killarney-Nationalpark. Etwas außerhalb von Tralee, der Hauptstadt der Grafschaft Kerry  bezogen wir  für 2 Nächte unser Quartier. Das Hotel lag inmitten sanfter Hügel. Von weitem konnten wir den Atlantik sehen. Nach einem Sonnenbad trieb es einige aus unserer Gruppe noch zu einer Wanderung in Richtung Meer. Leider kamen wir nicht zum Ziel, da in Irland die privaten Grundstücke mit rebellischen Hunden besetzt sind.


Wir schrieben Donnerstag, den 30. Mai 2013. Auch an diesem Tag war Landschaftserlebnis pur angesagt. Das Wetter lieferte dazu die beste Stimmung und Beleuchtung. Es  war „nur“ eine Rundfahrt auf der Dingle Halbinsel vorgesehen. Aber das war, wie sich herausstellte, ein füllendes und erlebnisreiches Programm. Auf diesem Fleckchen Irland spricht die Bevölkerung noch überwiegend gälisch. Deswegen kommen im Sommer viele junge Leute in diese Region, um ihre eigentliche Muttersprache zu lernen. Zunächst fuhren wir von Tralee aus entlang der Südküste nach Dingle. Dieser Ort wird in einem Reiseführer „die naheste Pfarrgemeinde an Amerika“ bezeichnet. Dort  machten wir einen kurzen Halt und von da aus begann das Abenteuer - jedenfalls für den Busfahrer. Die engen Straßen forderten seine volle Konzentration. Für uns war die Fahrt eine Begegnung mit atemberaubend schöner Natur und einer spektakulären Landschaft. Unterwegs machten wir mehrere Fotostopps. Unser erstes Ziel war das Gallarus Oratorium. Dieses Gebetshaus befindet sich in der Nähe des ehemaligen Klosters Kilmalkedar, das wir danach besichtigten. Hierher kamen die Mönche um zu beten. Man muss sich das Gallarus Oratorium als eine Art Kapelle vorstellen. Es wurde wohl Ende des 8. Jahrhunderts gebaut.  Faszinierend an diesem Bau ist, dass es nur mit Steinen (ohne Bindemittel) errichtet wurde. Die Steine sind so meisterhaft ausgesucht und geschichtet, dass der ganze Bau bis heute wasserdicht ist. Und das will in Irland etwas bedeuten. Von weitem sieht das Bethaus aus, wie ein umgekehrtes Schiff. Bevor wir das Gallarus Oratorium besichtigten, konnten wir auf dem Gelände des Bethauses unsere Andacht halten. Inzwischen besichtigte eine andere Gruppe die Kapelle. Dann hatten wir genügend Zeit, das schlichte aber ausdrucksstarke Bauwerk in Augenschein zu nehmen.

Von hier aus ging unsere Fahrt weiter nach Kilmalkedar. Hier bestand im 7. Jahrhundert ein Kloster. Die heutige romanische Kirche stammt aus dem 12. Jahrhundert, wurde dem Heiligen Maolchéadar  geweiht und lässt bauliche Einflüsse der romanischen Kirche erkennen, an der Regensburger Baumeister mitwirkten. Es berührt einen schon sehr, wenn man entdeckt, dass es von hier, dem Ende einer irischen Insel, Verbindungen zur Heimat gab. Die irischen Mönche haben seinerzeit das Evangelium nach Deutschland gebracht. Zurück kam technisches Know-how. Die Ursprünge dieses einstigen geistlichen Zentrums gehen auf den Heiligen Brendan zurück. Er kam im 5. Jahrhundert mit anderen Mönchen hier in diese Gegend und gründete ein Kloster. Er zog damit nicht nur Mönche, sondern auch Adlige aus dem Ausland an, die hier zum Unterricht durch Brendans Mönche heranströmten. Es entstand ein missionarisches Zentrum. Von hieraus soll Brendan auch nach Amerika gesegelt sein. Christopher Columbus hat sich später für ihn interessiert. Auf dem Gelände des ehemaligen Klosters  befinden sich weitere Kostbarkeiten. Zu besichtigen ist eine Sonnenuhr, die die Gebetszeiten anzeigt. Sie erinnert daran, dass hier einst ein Ort des Gebetes war. Auch scheint dieser Ort eine wichtige soziale Beziehung gehabt zu haben. Hier befindet sich ein Ogham-Stein mit einem Loch. An dieser Stelle sollen Geschäftsverträge und Eheverträge geschlossen worden sein, in dem sich beide Partner mit dem rechten Daumen durch dieses Loch berührten und so den Vertrag bestätigten. Die Ogham-Schrift wurde in Irland und einigen westlichen Teilen Britanniens bzw. Schottlands  vom 4. bis 6. Jahrhundert benutzt. Die Kelten sahen bei den Römern, dass sie schreiben konnten und entwickelten eine einfache aber geniale Schrift. Auch kann man hier einen Kreuzstein (Cross-Slab) bewundern. Am zeitigen Nachmittag kamen wir dann wieder in Dingle an und nutzten die Zeit für einen Stadtrundgang und dem Mittagessen.  Unsere Route führte uns auf dem Rückweg dann an der Nordküste der Dingle Halbinsel entlang. Ein letzter Stopp an diesem Tag lud uns zu einer kleinen Wanderung an einem schönen Sandstrand ein. Frau Kober ließ es sich nicht nehmen, hier ein kurzes Bad zu nehmen. Der Abend dieses Tages brachte uns eine beeindruckende Überraschung. Wir fuhren nach dem Abendbrot noch einmal mit dem Bus nach Tralee, um das dortige Folk-Theater zu besuchen. Wir sahen ein irisches Volkstück mit ausdrucksstarken Tanz und irischer Musik.  In Bildern und Tönen wurde uns das Leben auf  der irischen Insel Blasket (vor der Dingl Halbinsel gelegen) erzählt. Zunächst beherrschten fröhliche Szenen das Theaterstück. Zum Ende hin wurde die Geschichte traurig. Ein Junge musste sterben, weil keine Hilfe  vom Festland zu holen war. In der Schlussszene verlassen dann die Bewohner die Insel für immer – begleitet von einem sehr anrührenden gälischen  Lied, dessen Melodie mir nicht mehr aus dem Sinn geht.


Am Freitag, dem 31. Mai setzten wir unsere Reise  nach Norden fort. In Adare unterbrachen wir unsere Fahrt auf der Nationalstraße 21 für einen kurzen Stopp. Das Dorf  nennt ein Reiseführer „das schönste Dorf Irlands“. Vielleicht war es früher auch an dem, denn reetgedeckte Häuser prägten einst das Bild des Dorfes. Heute sind nur noch einige dieser Gebäude an der Hauptstraße übriggeblieben. Einst gab es hier 3 Klöster. Neben einem Augustiner- und einem  Franziskanerkloster existierte hier das einzige Kloster der Trinitarier (White Monastery) in Irland.  Ich hatte noch nie von diesem Orden gehört und musste mich zu Hause erst kundig machen. Der Trinitarier-Orden, (Orden der Heiligen Dreifaltigkeit) war ursprünglich ein Mönchsorden, der in der Zeit der Kreuzzüge entstanden ist. Die Hauptaufgabe des Ordens bestand im Freikauf oder Austausch von christlichen Gefangenen oder Sklaven von den Sarazenen. Die Ordensmitglieder widmen sich heute der Seelsorge und der Krankenpflege. Nachdem wir in einem Pavillon im Park unsere Andacht gehalten hatten, schlenderten wir die Hauptstraße entlang, besichtigten die strohgedeckten Häuser und besuchten anschließend die Kirche der Trinitarier. Ein Stein aus Jerusalem erinnert in dieser Kirche noch an die Ursprünge des Ordens. Über Limerick setzten wir unsere Fahrt nach Norden fort und verließen bei Ennis die Nationalstraße, um an die Küste zu kommen. Unser nächstes Reiseziel waren die Klippen von Moher. Die Cliffs of Moher sind die bekanntesten Steilklippen Irlands. Nahezu senkrecht ragen die Klippen stellenweise aus dem Meer. Sie erstrecken sich über eine Länge von über acht Kilometern und sind an der höchsten Stelle 214 m hoch. Hier hatten wir Zeit zur Wanderung und zum Mittagessen. Von hieraus fuhren wir auf schmalen Landstraßen durch die Küstenregion nach Kilfenora. Dieses kleine Dorf mit 169 Einwohnern ist jedoch sehr geschichtsträchtig. Zwar stand dieser Ort nicht mit auf unserem Reiseprogramm, aber unsere Reiseleiterin wollte uns  die dortigen Schätze unbedingt zeigen. Wir waren ihr dafür dankbar,  wenn wir auch dafür einen kleinen Umweg machen mussten. Kilfenora war einst ein Bischofssitz. Aber da das Bistum so klein und unattraktiv war, wollte hier keiner so gern Bischof sein. Auch wurde das Bistum auf Synoden im Mittelalter vergessen oder ignoriert. Heute gehört Kilfenora zum Bistum Galway. Der Papst ist jedoch Bischof von Rom und Kilfenora! Zu den Schätzen Kilfenora zählen heute drei Hochkreuze aus dem 8. – 12. Jahrhundert. Wir besichtigten die Kathedrale aus dem 12. Jahrhundert und die Hochkreuze. Auch Kilfenora geht auf die irischen Mönche zurück. Im 6. Jahrhundert gründete hier der Heilige Fachtna oder Fachan ein Kloster. Unser nächster Stopp war am Poulnabrone Dolmen inmitten der Burren. Der Burren ist eine Karstlandschaft südlich von Galway. Entstanden ist diese Landschaft durch Menschenhand. Einst war dieses Gebiet bewaldet und mit einer Humusschicht überzogen. Aber die Bäume wurden abgeholzt. Das Wetter trug den fruchtbaren Boden davon und übrig blieb der Kalksteinfelsen. Der Regen grub hier schließlich Rillen in den Stein.  Die spärliche Vegetation besteht heute hauptsächlich aus Gräsern, Kräutern, Moosen und Flechten und 27 verschiedenen Orchideenarten. Am Poulnabrone Dolmen machten wir einen Halt. Es handelt sich dabei um ein Grab aus der Jungsteinzeit. In Galway angekommen, zog es uns am Abend noch einmal in die Stadt. Galway ist bekannt durch seine vielen Pubs und sein pulsierendes Nachtleben. Wir flanierten über den Boulevard bis zum spanischen Tor am Hafen. Zuvor besichtigten wir die Stiftskirche St. Nikolaus, in der Christopher Columbus gebetet haben soll, bevor er zu seiner Amerika-Reise aufbrach. Natürlich mussten wir in den Pubs „Milieu studieren“. Massen von Leuten und ohrenbetäubende Musik erwarteten uns dort. Aber man muss es einfach einmal erlebt haben.


Wir  begannen Samstag, den 1. Juni wie jeden Tag im Bus mit einer Kurzandacht. An diesem Tag mussten wir eine größere Distanz zurücklegen und hatten nur ein Besichtigungsziel. Die bedeutsame Klostersiedlung Clonmacnoise lag am Fluss Shannon. Der Shannon war für Irland eine wichtige Verkehrsader. Im Jahre 545 kam der Hl Ciarán hierher und gründete ein Kloster. Bereits vier Jahre später starb Ciarán mit erst 33 Jahren. Er erlebte den Aufschwung des Klosters nicht mehr mit. Clonmacnoise wurde zu einem geistlichen und geistigen aber auch handwerklichen Zentrum Irlands. Diese Anlage zählt heute mit zu den meistbesuchten touristischen Attraktionen der grünen Insel. Zunächst sahen wir uns einen Film über das ehemalige Kloster an. Dann besichtigten wir das Museum, in dem die berühmten Hochkreuze ausgestellt sind. Und nach einer Führung im Gelände feierten wir am Papst-Altar einen Gottesdienst. Als Papst Johannes Paul II. 1979 Irland besuchte, feierte er hier auf dem Gelände eine Messe. Eigens dafür baute man hier einen mit glasüberdachten Altar. Der Ort war wie geschaffen für unsere Abendmahlsfeier. Nachdem Zeit für  viele schöne Fotomotive war, ging unsere Fahrt weiter nach Dublin. Aus der Stille kamen wir in die Hektik der Großstadt. Hier leben ca. 1,6 Millionen Menschen  - mehr als ein Drittel der Bevölkerung Irlands. Nach einer Stadtrundfahrt schlenderten wir über die Grafton-Street. Massen von Menschen schoben sich über dieses Boulevard. Bei vielen Aktionskünstlern blieben wir stehen oder hörten zu. Am Abend fuhren wir dann wieder in die Südvorstand zu unserem Hotel, in dem wir bereits in der ersten Nacht unserer Irlandreise übernachteten.


Unser letzter Tag in Irland brach an. Wir schrieben Sonntag, den 2.Juni 2013. Als erstes statteten wir der Kirche des Hl. Patrick einen Besuch ab. Hier auf dem Gelände soll einst Patrick Menschen getauft haben. Bis zum Mittelalter stand an gleicher Stelle eine Kirche aus Holz und wurde um 1190 durch die heutige Kathedrale ersetzt. Während der Führung  in dieser Kirche machte uns unser Guide u.a.  auf  das Grabmal von Jonathan Swift, den Autor von Gullivers Reisen, aufmerksam. Eine besondere Tür wird hier in der Kirche aufbewahrt. Die Tür mit einem Loch geht auf eine Fehde zwischen den Lords Kildare und Ormonde zurück (1492). Lord Ormonde war in dieser Kirche zur Einsicht gekommen, dass der hundertjährige Familienstreit nichts austrägt und bat seinen Gegner hierher zu kommen, um sich mit ihm zu versöhnen. Dieser war jedoch misstrauisch. Und so ließ Lord Kildare ein Loch in die Tür schneiden, um seinem Widersacher die Hand zu reichen. Nach dem Kirchenbesuch ging es weiter zum Trinity Collage. Diese berühmte Universität wurde 1592 von Königin Elisabeth I. für protestantische Studenten gegründet. In einem schönen Garten auf dem Gelände der Uni konnten wir unsere Andacht halten. Und dann reihten wir uns mit in die Schlange vor der Bibliothek ein. Hier in der Bibliothek des Trinity Collages wird ein großer Schatz der Iren gehütet: das Book of Kells. Das Book of Kells ist die Abschrift der vier Evangelien. Mit kunstvoller Schrift schrieben Mönche dieses Buch und gestalteten die Initialen mit sehr feinen Mustern. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wurde das Book of Kells um 800 im Kloster Iona vor der schottischen Westküste geschrieben.  Während der Wikingereinfälle brachte man es in Sicherheit, bis es schließlich  in der Abbey in Kells landete. Nachdem es durch verschiedene private Hände ging, befindet es sich seit dem 17. Jahrhundert im Besitz des Trinity College in Dublin, wo man das Buch im Original besichtigen kann. Nach der Besichtigung des Buches und der Bibliothek hatten wir Zeit zur freien Verfügung. Wir genossen noch einmal den Fluss Liffey mit seinen vielen und besonderen Brücken. Dann hieß es von Dublin und Irland Abschied nehmen. Wir checkten auf dem Flughafen ein und flogen über Frankfurt zurück nach Leipzig. Dort nahm uns der Busfahrer mit der Bemerkung in Empfang: „Ich weiß noch nicht, ob ich sie heute Nacht noch nach Crottendorf bringen kann.“ Grund dieser Aussage war das Hochwasser, das zur Sperrung vieler Straßen führte. Während der ganzen Zeit, in der wir in Irland waren, hatte es zu Hause unaufhörlich geregnet. Wir kamen aber in jener Nacht wohlbehalten und sicher daheim an.

Unsere Irlandreise stand unter dem Thema: „Auf den Spuren der Mönche“. Fast an jedem Tag kamen wir an einem oder mehreren Klöstern vorbei. Seit der Normannenzeit etablierten sich hier  auch die großen europäischen Orden. Interessant jedoch ist die Welt der Monasterien vordem. Das irische Mönchtum wurde von den ägyptischen Klöstern geprägt. Sie bezeichneten sich  als „wahren Rebstock, der aus Ägypten verpflanzt worden war“. Dort auf der grünen Insel entwickelte das irische Mönchtum einen eigenen Stil. Diese Klöster waren so gesund und vital, dass sie nach Europa hin starke missionarische Impulse entwickelten. Europa  hat den irischen Mönchen das Evangelium zu verdanken.

 

Friedrich Preißler

 PS: natürlich gibt es auch wieder viele Fotos zu sehen

 

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