Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsen
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Das Christentum im Land des Goldenen Vlieses

Gemeindereise vom 4.-13. Juni 2012 nach Georgien

Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,

die sich über die Dinge ziehn.

Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,

aber versuchen will ich ihn.

Ich kreise um Gott, um den uralten Turm,

und ich kreise jahrtausendelang;

und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm

oder ein großer Gesang.

Mit diesen poetisch, schönen Worten schloss unsere Reise in den Kaukasus. Chatuna Oniashvili, unsere Reiseführerin, rezitierte diese Verse von Rainer Maria Rilke zum Abschluss unserer Gemeindereise nach Georgien. Es hat mich sehr berührt, hier im Kaukasus an Rilke erinnert zu werden. Damit setzte Chatuna für uns den Punkt auf das „i“ und schloss so eine eindrucksvolle Reise in poetischer Form ab.

Es war der zweite Anlauf zu dieser Reise. Geplant war diese Reise bereits für das Jahr 2009. Dann aber begann 2008 der Krieg zwischen Russland und Georgien. So haben wir damals die Paulusreise von Antiochien bis nach Ephesus und Milet quer durch Anatolien unternommen. Um so gespannter waren wir auf die Kaukasusreise in diesem Jahr. Unsere Erwartungen wurden nicht nur erfüllt, sondern weit übertroffen. Einen großen Anteil daran hatte Chatuna. Sie hat uns ihr Heimatland wirklich lieb gemacht. Ihre Informationen waren sehr spannend und tiefgründig. Aber auch die atemberaubende Natur und die Herzlichkeit der Menschen ließ uns Georgien ans Herz wachsen. Mit vielen guten Eindrücken sind wir heimgekehrt. Auf jeden Fall gehört ab nun Georgien mit zu den „wachsenden Ringen“ in unserem Leben, „die sich über die Dinge ziehn“.

Etwas gewöhnungsbedürftig war die lange Reise bis zum Zielort. Eigentlich wollten wir von Prag abfliegen. Der Direktflug nach Tbilisi wurde jedoch gestrichen. So mussten wir von Berlin über Kiew nach Georgien fliegen und brauchten dazu einen ganzen Tag. Kurz nach Mitternacht kamen wir dort an, wurden von unserem Guide abgeholt und ins Hotel gebracht. Unser erster Tag  in Georgien begann mit der Erkundung der Hauptstadt.

Es war Dienstag, der 5. Juni. Um 10 Uhr saßen wir nach einer etwas kürzeren Nacht schon wieder im Bus. Wir hörten vor dem Start die beiden Bibelworte, die für diesen Tag im Herrnhuter Losungsbüchlein zu finden waren. Dazu wurde eine kleine Auslegung vorgelesen und abschließend sangen wir ein Lied.  So hielten wir es jeden Tag. Frau Uhlig hatte für jeden Tag eine Reiseteilnehmerin angesprochen, die uns die Andacht hielt. „Gamardschoba“ (guten Morgen oder  als allgemeine Begrüßung) und „Madloba“ (Danke) waren die ersten beiden georgischen Worte, die uns Chatuna lernte.

Wir begannen die Erkundung Tbilisis an der  Metechi-Kirche. Auf diesem Terrain  befand sich einst die Residenz der georgischen Könige. Wachtang I. Gorgassalis verlegte im 5. Jahrhundert die Hauptstadt von Mzcheta hierher. Ein Reiterstandbild, das diesen König abbildet steht gleich neben dem Gotteshaus. Von hier hat man einen schönen Blick hinunter  auf den Fluss Mtkwari (Kura)  und die Altstadt. Das wir unsere Reise durch Georgien mit der Besichtigung einer Kirche begannen, hat eine tiefere Bedeutung. Kirchen gehören in Georgien zu einem bedeutsamen Kulturgut. Schon sehr früh (326 oder 337) hatte Georgien den christlichen Glauben angenommen und in den Stürmen der Geschichte verteidigt.

Die Metechi-Kirche (Mutter-Gottes-Kirche)  wurde 1289 erbaut, nach dem die Mongolen die Vorgängerkirche zerstört hatten. In Sowjetzeiten diente die Kirche als Theater. Ursprünglich stand das Kirchengebäude inmitten der Königsresidenz. Die russischen Zaren wandelten die Residenz zunächst in eine Pulverkammer, dann in ein Gefängnis um, in dem auch Josef Stalin gefangen war. Nach 1921 diente sie den Bolschewiki als Haftanstalt für politische Gegner. 1937 wurde sie abgerissen. Seither steht die Kirche allein auf dem Bergplateau. An der Ostapsis befindet sich, wie an vielen georgischen Kirchen, eine eindrucksvolle Ornamentik. Etwas oberhalb des Bodens ist ein Kreis angedeutet, der an die Ewigkeit erinnern soll. Aus dieser Wurzel erwächst das Kreuz. Das Kreuz ist als Lebensbaum gestaltet und verbindet den Himmel mit der Erde. Nach der Besichtigung der Kirche  wanderten wir  über den Mtkwari -Fluss zur Altstadt. Hier sieht man viele restaurierte Hanghäuser mit Balkonen. „Alte Häuser – neues Leben“ lautet ein Sanierungsprogramm, das in Georgien läuft. Dies kommt der  Hauptstadt sehr zugute.

Unser nächster Anlaufpunkt war die Synagoge. Nach dem babylonischen Exil kamen Juden bis in den Kaukasus und siedelten hier. Man nannte sie „die Bergjuden“. Zeitweise lebten 100.000 Juden hier. Sie waren  in die Gesellschaft integrierte und durften im Gegensatz zu vielen anderen Ländern, alle Berufe ausüben. In Stalins Zeiten wurden die Juden, wie auch die Deutschen und andere Nationalitäten deportiert. Zurzeit leben noch 3000 Juden hier. Der letzte größere Exodus geschah Anfang der 90ziger Jahre, als  es mit Georgien wirtschaftlich steil bergab ging. Man sieht dies dem Viertel rings um die Synagoge an. Viele Häuser stehen leer oder verfallen.

Unser nächstes Ziel war die Sioni-Kathedrale. Sie wurde zwischen 575 und 639 gebaut und gilt als eine der heiligsten Stätten der georgischen Orthodoxie. Bis 2004 war die Kathedrale der Sitz des Patriarchen der Georgischen Orthodoxen Apostelkirche und Erzbischofs von Mzcheta-Tiflis, Ilia II. Hier sollen sich wertvolle Reliquien wie der Schädel des Apostels Thomas und das Weinrebenkreuz der Heiligen Nino befinden. Die Heilige Nino gilt in Georgien als apostelgleich. Sie stammte aus Kappadokien und gehörte mit zu den 86 Nonnen, die im 3. Jahrhundert vor der Diokletianischen Verfolgung nach Armenien flohen. Zu ihnen gehörten auch die Gaiane und Hripsime. Beide werden in Armenien verehrt. Durch die Hl. Nino soll der König Mirian zum Glauben gekommen sein und im Jahr 326  das Christentum zur Staatsreligion erhoben haben.

Unsere Besichtigungstour führte anschließend zur ältesten Kirche der Stadt. Die Antschischati- Kirche wurde im 6. Jahrhundert als dreischiffige Basilika errichtet. Heute sind die Bauregeln in der orthodoxen Kirche sehr festgelegt. Wenn Kirchen neu gebaut werden, so werden sie nur als Kreuzkuppelkirchen errichtet. Dieses schöne Beispiel zeigt jedoch, dass die Georgier nicht immer diesem Baustil anhingen. Auch hier begann sich der Baustil einer Kirche wie anderenorts zuerst von der Basilika her zu entwickeln.

Nach so vielen sakralen Bauten  war es Zeit, sich zu stärken. Wir fuhren mit dem Bus aus der Stadt hinaus in die Berge zu einem schönen Restaurant. Überall befanden sich im Freien kleine Inseln mit Tischen und Stühlen. Von hier hatte man einen schönen Blick auf die Stadt. Nach einem  schmackhaften georgischen Essen hielten wir nebenan unsere Andacht und fuhren mit dem Bus bis zum Ausgangspunkt unserer Wanderung. Vorbei an dem Business-Center Iwanischwilis, einem

Gebäudekomplex aus Aluminium und Glas, der wie ein Ufo über der Altstadt von Tbilisi thront, führte unser Weg zurück in die Stadt. Der Oligarch Bidzina Iwanischwili versetzt derzeit Georgien in Aufruhr. Bislang trat er gönnerhaft auf und verschenkt ein paar Krümel seines Riesenreichtums an Kirchen, Museen und arme Leute.  Nun will er Präsident werden. Von seiner Glas-Kathedrale haben wir aus der Nähe nichts gesehen. Alle Zugänge waren mit hohen Zäunen umgeben. Unser Weg führte auf dem Rücken des Sololaki-Gebirgskamms vorbei an der „Mutter Georgiens“, einer Monumentalstatue aus Aluminium. Sie hält Schwert und Becher in den Händen.  Das Schwert versinnbildlicht die Bereitschaft, das Vaterland zu verteidigen, der Becher spielt auf die sprichwörtliche georgische Gastfreundschaft an. Schließlich erreichten wir die Mauern der Nariqala-Festung. Am Ende des 3. Jahrhunderts wurde sie erbaut und war die wichtigste mittelalterliche Burg Georgiens. Von hieraus nahmen wir den Weg hinab in die Stadt und kamen im Bäderviertel an.

Von dort  fuhren wir zurück ins Hotel, konnten uns frischmachen und stiegen nochmals in den Bus, um zu einem Restaurant in der Stadt zum Abendessen zu fahren. Was uns hier erwartete, sprach unsere Sinne und den Gaumen an. Von da ab freute ich mich jeden Tag auf das Abendessen.

Nach einer nicht so erquicklichen Nacht - bis Nachts um 4 Uhr dröhnten laute Bässe von einer Schulabschlussfeier hinauf in die Hotelzimmer - starteten wir in den neuen Tag. Mit der Morgenandacht im Bus und einem fröhlichen Gesang begann der Mittwoch, der 6. Juni. Als erster Anlaufpunkt steuerten wir die David-Kapelle auf dem heiligen Berg an. Auf dem Areal der St.-Davids-Kirche befindet sich der Friedhof bekannter Dichter und Staatsmänner Georgiens. Unter anderem besuchten wir das Grab Noe Schordanias. 1918 wurde er Premierminister der Demokratischen Republik Georgiens. Ein Stück weiter befindet sich das Grab Swiad Gamsachurdias. Er war Schriftsteller, Dissident und Politiker. Von Mai 1991 bis Januar 1992 war er der erste Präsident Georgiens. Nach einem Militär-Putsch kam er unter ungeklärten Umständen in West-Georgien ums Leben. Auch das Grab der Mutter Stalins ist hier zu besichtigen, obgleich sie nicht eigentlich eine prominente Persönlichkeit des georgischen Volkes ist. 

Die Kuppelkirche wurde zwischen 1855 und 1859 an der Stelle einer alten Kapelle errichtet. Hier soll der Heilige David, einer der 13 syrischen Väter, im 6. Jahrhundert eine Kapelle errichtet haben. David bezog zunächst hier oben am Berg eine Höhle und missionierte  von hier aus in der Stadt. Seinerzeit hatte das Christentum gegen die Einflüsse der Zoroastrismus zu kämpfen. Eine weitere Kirche in Tbilisi zeugt von seiner missionarischen Tätigkeit. Wir kamen am Nachmittag an der Kwaschweti Kirche am Rustaweli-Boulewarde (Tbilisis Hauptstraße) vorbei. Hier sollte der Hl. David ein Wunder gewirkt haben, bevor er sich in die Einöde von Garedscha zurückgezogen haben soll.

Nun kehren wir gedanklich wieder auf den heiligen Berg in Tbilisi zurück. Unterhalb der Kirche liegt eine Grotte, in der der russische Diplomat und Dichter Alexander Gribojedow 1832 bestattet wurde. Seine georgische Frau ließ auf der Grabstelle die Bronzestatue einer weinenden Frau errichten. Die Grotte wurde zu einem Wallfahrtsort russischer Schriftsteller. In einem kleinen Klosterladen  an der David-Kirche kaufte ich zwei schöne Ton-Kelche und eine Patene. Wir feierten damit am vorletzten Tag unserer Reise das Hl. Abendmahl.

Unser Weg führte uns nun weiter auf die andere Mtkwari-Seite. Überall in der Stadt ist die Sameba (Dreifaltigkeitskirche) Kathedrale zu sehen. Die Kathedrale wurde 1996 bis 2004 erbaut und gilt als Symbol der Unabhängigkeit von den Russen. Der Bau wurde aus Mitteln des georgischen Geschäftsmanns Bidsina Iwanischwili finanziert und galt als „Symbol der nationalen und religiösen Wiedererstehung Georgiens“. Die Kathedrale steht im Zentrum von Tiflis auf dem Elias-Hügel am linken Kura-Ufer nahe der Altstadt. Auf dem neun Hektar großen Gelände sind auch die Residenz des georgischen Katholikos-Patriarchen und Erzbischofs von Mzcheta-Tiflis, ein Kloster, ein Priesterseminar und eine theologische Hochschule untergebracht.

Atemberaubende Schätze konnten wir anschließend im Georgischen Nationalmuseum besichtigen. Unglaublich schöne  Exemplare der Goldschmiedekunst, die bis ins 3. und 4. Jahrtausend vor Christus zurückgehen, sind hier zu besichtigen. Von besonderem Interesse waren für mich Exponate ab dem 7. Jahrhundert vor Christus, weil sie das Thema unserer Reise berührten. Im 7. Jahrhundert entstanden in der Kolchis die ersten griechischen Kolonien. Der griechischen Mythologie zufolge raubten die Argonauten das Goldene Vlies, das einst das Fell des goldenen Widders Chrysomeles gewesen war und dem griechischen Gott Zeus geopfert wurde. Um an das Fell zu gelangen, mussten die Argonauten in das sagenumwobene, goldreiche Königreich Kolchis reisen. Kolchis liegt im Gebiet des heutigen Georgien. Archäologische Funde bestätigen den griechischen Mythos. Schaffelle wurden in der Kaukasusregion von altersher verwendet, um das Gold beim Auswaschen aus den Flüssen aufzufangen. Ausgrabungen im heutigen georgischen Vani, förderten eine Vielzahl von kunsthandwerklichen Gegenständen aus Gold zutage, die die Sagen um das goldene Königreich Kolchis stützten.

Nach dem Museumsbesuch flanieren wir auf dem Rustaweli-Bouleward - vorbei am Parlamentsgebäude, der Kwaschweti-Kirche und dem Theater. In einem kleinen Kaffee versorgten wir uns etwas zu Mittag. Keiner hatte allerdings wegen der Hitze richtigen Hunger. So tat es auch ein Eis. Am Nachmittag hatten wir ein Treffen mit Frau Hummel in der deutschen Evangelischen Gemeinde. Die neugebaute Evangelische Kirche steht auf dem Grundstück des ehemaligen deutschen Friedhofes. Anfang des 19. Jahrhunderts wanderten schwäbische Pietisten nach hier aus und siedelten. 1941 mussten Nachkommen der deutschen Siedler ihre neue Heimat wieder verlassen. Stalin ließ sie nach Usbekistan, Kasachstan und Sibirien deportieren. 1946 befahlen dann die Sowjetkommunisten deutsche Kriegsgefangene die evangelische Kirche abzutragen.  Damit war scheinbar die Geschichte der Deutschen und der Evangelischen im Kaukasus beendet.

Aber es kam anders. Gert Hummel hatte an der Universität in Saarbrücken einen Lehrstuhl für Systematische Theologie inne. Durch die Städtepartnerschaft zwischen Saarbrücken und Tiflis kam er in Kontakt mit den Nachfahren deutscher Auswanderer in Georgien. Eines Tages nach dem Zerfall der Sowjetunion wurde er gebeten, in Tiflis einen lutherischen Gottesdienst zu halten. Eine Gemeinde versprengter Deutscher begann sich zu sammeln.  Nach seiner Emeritierung verkauften er und seine Frau ihr Haus in Saarbrücken und errichteten mit dem Erlös zusammen mit Spenden aus Bekannten- und Freundeskreisen in Tiflis eine Kirche mit Gemeindezentrum, Altenheim und Sozialstationen. Leider lebt Gert Hummel nicht mehr. Aber wir durften seine Frau treffen. Sie erzählte uns in einer lebendigen Weise von der Arbeit und dem Ergehen der Gemeinde hier. Dankbar nahm sie eine Spende für Kinder und Jugendarbeit entgegen, die wir zum Pfingstgottesdienst auf dem Scheibenberg gesammelt hatten. Auch konnte ich hier den Bischof der Baptisten Ilia Osefashvili treffen. Für ihn hatte ich von seinem Freund Martin Gröschel einen Beamer mitgenommen.

Der schöne Kirchenraum der Evangelischen Gemeinde lud uns zur Andacht ein. Meine Frau  legte uns dazu das Jesuswort aus Johannes 10, 9 aus. Jesus spricht: „Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden.“ Wir hatten für jeden Tag der Kaukasusreise ein Ich-bin-Wort Jesu als Andachtstext. Oft bekamen diese Worte durch Orte, an denen wir die Andacht hielten, zusätzliche Symbolkraft. Hier dachte ich daran, dass Gott selbst die Tür zu einer Gemeinde, die neu erstehen durfte, geöffnet hat.

Auf dem Heimweg ins Hotel machten wir einen Abstecher am Künstlermarkt an der Trockenen Brücke und kauften dort Souvenirs ein. Nach einer kurzen Regenerierungsphase im Hotel starteten wir wieder mit dem Bus zu einer Gaststätte in der Nähe des Freiheitsplatzes. Auch hier war der brechendvolle Tisch wieder ein Erlebnis. Hinzu kamen die Life-Musik und Folkloretänze, die uns vorgeführt wurden.

Am kommenden Morgen mussten wir unser Hotel verlassen. Von nun an bezogen wir fast jeden Tag neue Betten. Es war Donnerstag, der 7. Juni. Unsere Fahrt  in Richtung Westen (Kolchis) begann. Unser erster Halt war an der Dschwari-Kirche, der Kirche zum Heiligen Kreuz in Mzcheta. Sie erhebt sich auf einem felsigen Berggipfel oberhalb des Zusammenflusses von Mtkwari  (Kura) und Aragvi. Die Geschichte dieses Gotteshauses ist eng mit der Christianisierung Georgiens verbunden. Hier befand sich eine heidnische Kultstätte und an dieser Stelle wurde einst von König Mirian und der Hl. Nino ein großes Holzkreuz aufgestellt, das Pilger aus dem gesamten Kaukasus anzog. An der Stelle des Kreuzes wurde  zwischen 586 und 605 dann die Kirche gebaut. Die Dschwari-Kirche ist die einzige Kirche Georgiens, in deren Mitte sich unter der Kuppel ein großes Kreuz befindet. Die Kirche hat eine malerische Lage. Von hier hat man einen schönen Blick hinunter auf die alte Hauptstadt Mzcheta. Mzcheta liegt am Zusammenfluss von Kura und Aragvi. Mit dem Bus fuhren wir hinab in die Stadt und interessierten uns zuerst für die Swetizchoweli-Kathedrale. Die Kathedrale war über mehrere Jahrhunderte die Krönungs- und Begräbniskirche der georgischen Könige und zugleich die Hauptkirche der Georgischen Orthodoxen Apostelkirche. Sie ist die zweitgrößte Kirche im Land. Die heutige Kathedrale wurde im 11. Jahrhundert errichtet - hatte aber an gleicher Stelle einige Vorgängerbauten, die durch Kriege und Erdbeben zerstört wurden. 1787 wurde sie unter dem König Irakli II. von einer fünf Meter hohen Stein- und Backsteinmauer umgeben.

Von hier aus wanderten wir einige hundert Meter weiter zur Samtawro-Kirche. Früher befand sich hier der Sitz der Königsfamilie. Auch die hl. Nino soll hier gelebt haben. Im Areal des heutigen Nonnenklosters gibt es eine kleine Kapelle aus dem 4. Jahrhundert, die an sie erinnert. In der Hauptkirche befinden sich die Gräber des Königs Mirian und seiner Frau Nana. Es wird angenommen, dass Mirian im Jahr 334 Christ wurde und dass 337 das Christentum Iberiens Staatsreligion wurde. Er war einer der ersten Könige, die zum Christentum konvertierten. Nach einer Legende war Mirian auf der Jagd, als die Dunkelheit über ihn einbrach und er quasi blind war. Das Licht aber kehrte erst zurück, als Mirian zu Ninos Gott gebetet hatte. Später bat er um eine Audienz bei Nino und trat bald danach zum Christentum über. Ebenfalls auf dem Gelände befindet sich das Grab von Vater Gabriel. Er soll in kommunistischen Zeiten die Flagge der Sowjetunion öffentlich verbrannt haben, ins Gefängnis gewandert und seine baldige Befreiung prophezeit haben. An seinem Grab haben wir viele Menschen gesehen.

Unsere Fahrt ging weiter auf der Autobahn in Richtung Westen. In Gori, der Geburtsstadt Stalins machten wir unsere Mittagspause. Es mutet schon seltsam an, wenn man in einem Straßen-Restaurant an der „Stalin-Avenue“ sitzt. Für uns wäre vergleichsweise eine Hitler-Allee in Berlin undenkbar. Wir Deutschen haben in vielen Dingen umdenken gelernt und sind Diktatoren gegenüber sehr kritisch geworden. Die Georgier verehren im Stillen immer noch ein wenig den 2. großen Verbrecher des 20. Jahrhunderts, weil er Georgier war und ein Riesenreich regierte. Oft schreiben eben auch die Sieger die Geschichte.

Von hier ging es weiter in das nahe gelegene Uplisziche. Uplisziche ist eine Höhlenstadt. Bereits in der Bronzezeit siedelten hier Menschen. Die Stadt wurde im 6. Jahrhundert v. Chr. gegründet und entwickelte sich bedingt durch die günstige Lage an der Seidenstraße zu einem Handelszentrum mit rund 5.000 Einwohnern. Sie war zugleich heidnisches Kultzentrum. Die Wohnhäuser sind aus dem weichen Fels geschlagen, hatten Säulen und gewölbte Dächer. Entdeckt hat man ein Amphitheater, eine Apotheke, eine Bäckerei, Lagerhäuser, ein Gefängnis und einen Markt. Archäologen fanden auch eine dreigeteilte Tempelanlage, in der Tiere geopfert wurden. Beindruckend sind die Kanalisation aus Abflussrinnen und Wasserkanäle der Stadt. Ursprünglich sollen hier über 700 Höhlen existiert haben. 270 sind noch zu sehen. Der Rest wurde durch den abbrechenden Hang zerstört. Über einen 41 Meter langen Geheimtunnel, der von der Stadt durch den Felsen gehauen wurde und am Fluss Mtkwari endete, verließen wir die Stadt. Unweit der Höhlenstadt hielten wir in freier Natur unsere Andacht.

Auf dem Rückweg von Uplisziche machten wir an der Gedenkstätte für Stalin in Gori Halt. Über dem Geburtshaus Stalins ist eine Art griechischer Tempel errichtet. Neben dem Museum befindet sich ein panzersicherer Zug-Waggon aus der Zarenzeit, in dem Stalin immer gereist ist. Stalin ist aus Angst nie geflogen. Er bevorzugte die Schiene. Immerhin gibt es auch in Georgien die Anfänge eines Umdenkens. Man entfernte 2010 in einer Nacht- und Nebelaktion die Bronze-Statue des Diktators. Ebenso soll das Konzept des Museums geändert werden und künftig  „Museum für Stalinismus“ heißen.

Es waren noch einige Kilometer  Fahrt bis in die Hauptstadt der Kolchis – Kutaisi. Nach Kolchis reisten die Argonauten auf der Suche nach dem Goldenen Vlies und segelten von Griechenland über das Schwarze Meer, auf dem Fluss Phasis (georg. Rioni) bis zur Hauptstadt Aia, dem heutigen Kutaisi.

Hier übernachteten wir in einer Privatunterkunft. Wieder erwartete uns am Abend eine Festtafel. 

Freitag, der 8. Juni war ein Regentag. Jedoch störte das feuchte Nass vom Himmel nicht sehr, da die Temperaturen angenehm waren. Von unserem Quartier aus wanderten wir  nach dem Frühstück zur Baustelle der Bagrati-Kathedrale. Sie steht auf dem einstigen Burgberg der Könige  von Kolchis. Im Jahre 1010 wurde Kutaisi zur Hauptstadt des vereinigten Georgiens. Die Kathedrale wurde auf Befehl Bagrats III. gebaut und 1008 fertiggestellt. Die Osmanen zerstörten 1692 die Kirche indem sie die Kathedrale verwüsteten und die Kuppel in die Luft sprengten. Im Moment wird das Gotteshaus wieder aufgebaut. Die jetzige Regierung sah es als Prestige-Objekt an, die Kuppel wieder auf die Kirche zu setzen und sie in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Die gesamte Kirche war eingerüstet und die Arbeiten an der Kuppel gehen zügig voran. Ende dieses Jahres soll die Kuppel fertig sein.

Wir setzten unsere Wanderung hinab in die Stadt fort. Auf der roten Brücke überquerten wir den Rioni-Fluss und gelangten zum Markt. Von dort fuhren wir mit dem Bus in das Gelati-Kloster. Das Kloster zählt zu den bedeutendsten Werken georgischer Kunst und zum Weltkulturerbe der UNESCO. Auf dem Klosterareal befinden sich drei Kirchen, eine Akademie und ein Glockenturm.  Die Hauptkirche, der Dom, ist der Gottesmutter Maria geweiht, die anderen beiden Kirchen dem Hl. Georg und dem Hl. Nikolaus. Am prächtigsten ist die Marienkirche mit Fresken und Mosaiken ausgestattet.

Unter David dem Erbauer (1073 – 1125) erlebte das Land eine Blütezeit. Er befreite Georgien vom Joch der Türken, verlegte die Hauptstadt von Kutaissi nach Tiflis und erweiterte die Grenzen Georgiens. Er gilt als der bedeutendste Staatsmann des mittelalterlichen Kaukasus. Auf Anordnung Davids wurde 1106 das Gelati-Kloster in Kutaissi errichtet. Ihr angeschlossen war eine Akademie der Wissenschaften, an der die angesehensten Theologen, Philosophen und Rechtsgelehrten Georgiens lehrten. David, der Erbauer, wird in Georgien sehr verehrt. Er galt als guter Reiter und Heerführer, vielseitiger Reformator und Organisator, Literatur-Liebhaber, weiser König und Dichter. Sein philosophisch-religiöses Gedicht „Reuegesänge“ zeugen von großer Demut. Ich habe in der Klosterakademie diese Reuegesänge sogar in deutscher Sprache gefunden. Hier einige Kostproben davon:

„Da ich deine natürliche Gaben nicht nach deinen Gesetzen gebrauchte, wich von deinem Ebenbilde ich ab, gebar ich Böses; denn der Lust am Sinnlichen öffnete sich weit meine Seele...

Du verliehest mir die Tugend der Selbstbeherrschung und auch der Herrschaft Krone,

Ich aber ward zum Sklaven gemeiner Liste, denn was uns bezwingt, versklavt uns auch…

Wenn am Jüngsten Tage das Buch aufgeschlagen wird, und ich gebeugt  vor dir stehe

zur Rechenschaft, der Richter Recht spricht' und der Zorn seiner Diener wallt, wenn die Gerechten in Seligkeit sind und das Feuer die Sünder quält, dann erbarme dich meiner, mein Jesu!“

David kam mit 16 Jahren an die Macht und führte viele Reformen durch. Das Volk verehrt und liebt ihn bis heute. Er liegt  im Eingangstor zum Kloster begraben und ließ auf seinen Grabstein schreiben: „Lebendig gehörte ich dem Volk, tot liege ich zu seinen Füßen“.

Von hier aus fuhren wir weiter  in die nahegelegene Motsameta-Kirche. Diese Klosterkirche liegt in sehr romantischer Lage an den Abhängen einer Schlucht. Steil  fällt beidseitig der Felsen in das Tal ab. Hier stand einst eine Festung von großer strategischer Bedeutung. Zwei Fürstensöhne, David und Konstantin wurden im Jahr 735 von den Moslems grausam zu Tode gefoltert. Sie werden hier als Märtyrer verehrt.

Es war später Vormittag geworden. wir hatten eine lange Reise vor uns. Zunächst  mussten wir  bis Mzcheta zurückfahren, um dann  auf der georgischen Heerstraße  nach Norden zu fahren. Unterwegs machten wir an einem schönen Restaurant an einem Fluss die Mittagspause. Im Anschluss hielt uns Pfarrer Schelter die Andacht. Dann ging es weiter in Richtung Osten. Kurz vor Gori bogen wir von der Hauptstraße ab und fuhren  bis nach Kareli. Hier mussten wir in kleine Busse umsteigen, die uns über eine Schotterpiste  in die Berge zum Kintswisi-Kloster brachten. Die Klosterkirche ist dem hl. Nikolaus geweiht. Auf Grund ihrer in leuchtenden Farben gemalten, monumentalen Wandmalereien ist sie sehr berühmt. Sie stammt aus der Zeit der Königin Tamara. Blau soll ihre Lieblingsfabe gewesen sein, darum  ist diese Kirche in überwiegend blauen Farben gehalten. Die Hintergründe sind vollständig in Lapis lazuli ausgeführt, für die Figuren wurden Blau, warme Braun-, Ocker- und Rottöne verwendet. Unter anderen findet sich in dieser Kirche eine Abbildung der Königin Tamara. Die Wandmalereien werden auf die Zeit vor 1205 datiert.

Königin Tamara aus der Bagratiden-Dynastie war auf dem Höhepunkt des sogenannten Goldenen Zeitalters Herrscherin über das mittelalterliche Georgien. Sie war die Urenkelin von David dem Erbauer, modernisierte das Staatswesen, schuf Elemente von Bürgerrechten, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit.

Von hier aus ging  unsere Fahrt weiter bis in den Norden Georgiens. In dem Wintersportort Gudauri an der Georgischen Heerstraße bezogen wir schließlich unser Quartier.

Am Samstag, den 9. Juni war eine längere Wanderung geplant. Wir waren dankbar, dass am Morgen der Regen nachgelassen hatte und  das Wetter aufklarte. Diesmal stiegen wir nicht in unseren Bus, sondern in kleinere Busse. Für den großen Bus wäre die Fahrt auch sehr beschwerlich geworden. Wir fuhren auf der „georgischen Heerstraße“ in Richtung  russische Grenze – hinauf in die Berge, über den Kreuzpass bis zur Darjali-Schlucht. Bei dem Wort „georgische Heerstraße“ stellt man sich eine imposante Aufmarschstraße vor. Für die Russen war die Heerstraße einst Aufmarsch und Nachschub-Ader über den Kaukasus. Aber heute ist die Heerstraße in einem erbärmlichen Zustand. Für die  Georgier hat sie fast keinerlei Bedeutung, denn die Grenze zu Russland ist für sie geschlossen. Nur armenische Lastkraftwagen quälen sich den Weg entlang. Loch an Loch und Pfütze an Pfütze reihen sich wie eine Perlenschnur aneinander. Die Fahrer haben sich auf einen Riesenslalom eingelassen. Nur hier und da lassen Asphaltreste erahnen, dass die Straße einmal geteert war. Dennoch war die Fahrt wunderschön. Atemberaubende Landschaft tat sich vor uns auf. Wir fuhren bis zum letzten Ort vor der Grenze – Stephantsminda. Von hieraus begann unsere Wanderung hinauf zu der Gergetie-Kirche, die der Heiligen Dreifaltigkeit geweiht ist. Der Ort liegt auf 1.700 m am Fuß des Bergs Kasbek im Großen Kaukasus. Durch den Ort führt die Georgische Heerstraße, die Georgien mit Russland verbindet. Das Gebiet war bereits während der Antike besiedelt. 1877 wurde in Kasbegi ein Schatz aus dem 4. bis 5. Jahrhundert v. Chr. gefunden. Er besteht aus Silberbechern, eisernen Krügen und Armreifen sowie Statuetten von Tieren und Menschen. Stepanzminda (dt. Sankt Stephan) ist der ursprüngliche Name des Ortes, nach dem ersten christlichen Märtyrer Stephanus. Der Ort wurde 1921  zu Ehren des dort geborenen Aleksandre Qasbegi (1848–1893), eines der bekanntesten georgischen Schriftsteller, in Qasbegi umbenannt. Seit 2006 trägt der Ort wieder seinen ursprünglichen Namen. Oberhalb des Ortes, auf dem Kwemi Mta auf 2.170 m, liegt die im 14. Jahrhundert erbaute Kuppelkirche Zminda Sameba (dt. Dreifaltigkeitskirche).

Ein Teil unserer Gruppe fuhr mit Kleinbussen  zur Dreifaltigkeitskirche, der andere Teil nahm sich die Strecke auf Schusters Rappen vor. Es war eine sehr romantische Wanderung. Ich hing immer hinterher, weil ich viele Fotomotive fand. An der Kirche in 2170 m Höhe traf sich unsere Gruppe wieder. Nach der Besichtigung der Kirche hielten wir unsere Andacht und traten den Rückweg an. Leider bekamen wir den Kasbek nicht zu Gesicht. Er war in Wolken sanft eingehüllt. Auf dem Rückweg kamen uns Massen von jungen Menschen entgegen. Sie alle hatten die Pilgerkirche als Ziel. Chatuna erklärte uns den Zusammenhang. Es war Schuljahresende. Und das nutzen viele Schulklassen, um zu Kirchen zu wandern. Mir taten einige Lehrerinnen leid, die sich mühen mussten, ihre Kilos nach oben zu tragen. Vielen fiel es schwer, mit den jungen Leuten Schritt zu halten.

Am Ausgangspunkt unserer Wanderung angekommen, setzten wir unsere Fahrt entlang des Terek in Richtung Grenze fort. Wir fuhren durch die Darjali-Schlucht bis wir nicht mehr weiterfahren durften. Die Georgier bauen hier einen Staudamm, um Energie zu gewinnen. Etwas oberhalb der Grenzstation sind Reste einer Festung aus der Tamara-Zeit zu sehen. 

Auf dem Rückweg sahen wir, wie in Stepanzminda sich Wolken um die Dreifaltigkeitskirche legten. Wir waren zu einem günstigeren Zeitpunkt dort oben. Am Kreuzpass machten wir einen kurzen Fotostopp. Hier befindet sich ein deutscher Soldatenfriedhof. Unsere Kleinbusse brachten uns bis nach Gudauri zurück. Dort stiegen wir in den großen Bus um und setzten uns in Richtung Tbilisi in Bewegung. Unterwegs machten wir noch an der Festung Ananuri einen kurzen Fotostopp. Zwischen dem 16. und 17. Jahrhundert wurde sie errichtet und war  für das ganze Land von großer strategischer Bedeutung. Bevor wir im Hotel eincheckten, fuhren wir in ein Restaurant nahe des Bäderviertels. Wieder erwartete uns eine Festtafel. Dazu gab es Klavier- und Geigenmusik. Es ging ein Tag mit vielen schönen Impressionen zu Ende.

Schon lange hatte ich mich auf Kachetien gefreut. Am Sonntag, den 10. Juni ging es in Richtung Osten des Landes. Kachetien gilt als Kornkammer des Landes und bei Weinkennern ist Kachetien als Weinanbaugebiet bekannt. Unser erstes Ziel war Bodbe. Hier befindet sich das Nonnenkloster mit dem Grab der Hl. Nino. Es war Sonntag. Viele Menschen waren zum Kloster gekommen. Wir mussten anstehen, um in die Kirche und an das Grab der Hl. Nino zu gelangen. Entspannter ging es dann in Signagi zu. Signagi liegt im Herzen der Weinbauprovinz Kachetien, am Rande der Alasani-Ebene. Die Stadt ist umschlossen von einer gewaltigen Festungsmauer mit 23 Türmen. Vom Stadtrand eröffnet sich ein atemberaubender Blick auf das Alasani Tal und die kaukasischen Berge in Richtung Daghestan. Signagi ist eine der kleinsten Städte Georgiens, und wurde grundlegend restauriert. Die Häuser sind alle in typisch ostgeorgischem Stil gebaut.

Wir besuchten zunächst das ethnographische Museum. Hier be eindruckten uns vor allem Bilder  von Pirosmani. Nico Pirosmani war ein georgischer Kunstmaler. Er war Autodidakt und malte Szenen aus dem georgischen Volksleben. Erst nach seinem Tode fand seine naive Kunst internationale Anerkennung. 1972 zeichnete Pablo Picasso ein Porträt seines georgischen Kollegen für eine Buchveröffentlichung. Die UNESCO entschied, 1996 zum Jahr Pirosmanis zu erklären.

Nach dem Museumsbesuch flanierten wir durch die Stadt. Es gab wieder viele schöne Fotomotive.

Wir setzten unsere Fahrt durch Kachetien fort und im Dorf Velistsikhe wurden wir im Weingut Nodari schon erwartet. In romantischer Umgebung – im Hof des Weingutes konnten wir unsere Andacht halten. Natürlich war an diesem Tag das Jesus-Wort aus Joh 15 der Andachtstext: „Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“  Dann wurden wir in den Weinkeller eingeladen. Chatuna erzählte uns über den georgischen Weinanbau. Die Georgier bevorzugen die natürliche Gärung. Das macht ihre Weine so kraftvoll und würzig.  Man schätzt, dass es auf der Welt 4000 Weinsorten gibt - 500 davon kommen aus Georgien.  Eine weitere Besonderheit der georgischen Weinbauern ist die Lagerung in „Kvevris“. Die Kvevri sind Tonkrüge, die in der Erde vergraben werden. So dringt durch die Poren der Amphore kaum Sauerstoff in den Wein ein, es findet lediglich eine Mikrooxidation statt, die für die Reifung des Weines positiv und wichtig ist. Dafür werden Geschmacksstoffe aus der umliegenden Erde aufgenommen, was dem Wein einen mineralischen Geschmack gibt. Historisch betrachtet ist dies die weltweit älteste Form der Weinherstellung. Dann lud uns der Weinbauer zu einer Weinverkostung ein. Er öffnete den Deckel einer Amphore und schöpfte mit einem Krug Wein heraus und schenkte voll ein. Der Wein mundete vorzüglich.

Unser letztes Besichtigungs-Ziel an diesem Tag war das Kloster Alaverdi. Alaverdi ist ein religiöses Zentrum in Kachetien. Der imposante Klosterkomplex überrascht nicht nur durch seine imposanten Ausmaße, sondern auch durch seine eindrucksvolle landschaftliche Lage. Das Kloster liegt in einer Ebene und hat die Berge des Kaukasus als Kulisse. Die 56 m hohe Georgskathedrale war lange Zeit das höchste Gebäude in Georgien. Auch dieses Kloster geht auf einen der 13 syrischen Mönche zurück. Das Grab des Hl. Joseph Alaverdi, einem Mönch aus Antiochia, befindet sich in der Kirche. Wir wagten in dieser Kirche einen Kanon zu singen. „Dona nobis pace“ erklang aus unseren Kehlen in diesen heiligen Hallen – nicht unbedingt zur Freude der Mönche. Es tauchte bald einer von ihnen auf und wir mussten schweigen. Hoffentlich haben wir Chatuna keinen Ärger bereitet.  Unser nächstes Quartier bezogen wir in Telavi in einer Privatunterkunft. Hier konnten wir 2 Nächte kampieren. Wieder wartete eine festlich gedeckte Tafel auf uns. Vom Balkon aus, auf dem wir saßen, hatten wir einen schönen Blick auf den Kaukasus.

Am Montag, den 11. Juni wartete wieder ein interessanter Tag auf uns. Nach dem Frühstück fuhren wir in die Berge zu einem alten Kloster - Alt Schuamta und geht auf einen der syrischen Väter zurück. Das Kloster liegt auf einem bewaldeten Bergsporn in etwa 1015 m Höhe in idyllischer Lage.  Der Weg, den wir mit dem Bus zurücklegten, führte an Neu Schuamta vorbei. Dieses Nonnenkloster ist noch in Betrieb. In Alt Schuamta waren wir fast unter uns. Der Klosterkomplex enthält eine Kirche aus dem 5. Jahrhundert im Basilikastil und zwei Kirchen mit Kuppeln, beide aus dem 7. Jahrhundert. Hier beschlossen wir. unseren kleinen Gottesdienst mit dem Hl. Abendmahl zu feiern. Neben den drei Kirchen bauten wir aus einer Weinamphore einen kleinen Altar. Das Weinrebenkreuz, das ich in Bodbe gekauft, die Kelche samt der Patene  aus der David-Kapelle auf dem heiligen Berg in Tbilisi und der Wein von Weinbauern Nodari aus dem Dorf Velistsikhe kamen hinzu. Der Text  für die Andacht ergab sich aus dem Zusammenhang. Jesus spricht: „Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.“ Joh 6,35

Es war ein besonderer Gottesdienst.

Nachdem wir die Kirchen besichtigt hatten, ging es weiter auf den Spuren der syrischen Väter nach Ikaldo. Johannes gilt als der Anführer der 13 syrischen Väter der georgischen Kirche, die der Überlieferung nach im 6. Jahrhundert aus Syrien nach Georgien kamen, nachdem sie hierfür den Segen von Simeon Stylites dem Jüngeren empfangen hatten. Seinen Beinamen Sedasneli hat er vom Berg Saden (Zaden) 15 km nördlich von Tbilisi gegenüber der Stadt Mtskheta, wo er lebte.

Seine 12 Schüler waren Abibo aus Nekresi, Anton aus Martkopi, Davit aus Garedscha, Zenon aus Ikalto, Tadeos aus Stepanzminda, Ise aus Zilka, Josef aus Alawerdi, Isidore aus Samtawne, Michael aus Ulumbo, Piros aus Breta, Stephan aus Chirsa und Schio aus Mgwime. Einigen dieser Väter (ich habe sie markiert) sind wir auf unserer Reise begegnet.

Das Kloster wurde in der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts durch Zenon gegründet. Im 12. Jahrhundert wurde hier die Akademie im Auftrag des georgischen Königs David, dem Erbauer, errichtet. So hatte West-Georgien die Bildungsstätte in Gelati und Ost-Georgien die Akademie in Ikaldo. Die Akademie war jahrhundertelang das kulturelle Zentrum Georgiens. Man lehrte hier Theologie, Philosophie, Astronomie, Rhetorik, Jura und Mathematik. Auf dem Gelände wurden auch Weinbau und das Schmiedehandwerk betrieben. 1616 wurde die Akademie durch Schah Abbas I. zerstört.

Die Hauptkirche ist der Verklärung Christi  geweiht und stammt aus dem 8/9. Jahrhundert. In Sowjetzeit war die Kirche Kornlager. Die Verklärungskirche ist über dem Grab des Heiligen Zenon erbaut. Neben der Hauptkirche befindet sich die kleine Sameba-Kirche (Dreifaltigkeitskirche) und die Allerheiligenkapelle aus dem 12/13. Jahrhundert.

Unser Weg führte uns weiter nach Gremi. Gremi liegt im Alasani-Tal. Einst war sie eine Handelsstadt und zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert Hauptstadt von Kachetien. Sie zog sich über 50 Hektar hin. Heute ist nur noch die Zitatelle aus dieser Zeit erhalten. Wir stiegen hinauf auf den ehemaligen Burgberg und besichtigten die Erzengelkirche. Sie liegt auf einer Anhöhe westlich vom Dorf. Die Gremier Kathedrale wurde 1565 vom kachetischen König Lewan errichtet. Die Freskomalerei stammt aus dem Jahr 1577. Die Kathedrale ist aus Ziegelstein erbaut und hat drei Eingangstüren an den westlichen, südlichen und nördlichen Wänden. Mit seiner Mauer war Gremi gleichzeitig eine Burg. Bevor die Kathedrale erbaut wurde, stand auf der Anhöhe ein Turm, der noch heute neben der Kirche als freistehender Glockenturm dient.

 

Ich habe noch auf keiner Reise so viele Kirche hintereinander gesehen, wie in Georgien. Ich zählte nach und kam in den 8 Tagen auf knapp 30, die wir näher besichtigten - ganz zu schweigen, von denen, die wir im Vorbeifahren, von ferne oder nur von außen sahen. Man schätzt, dass es auf dem 70.000 Quadratkilometer Fläche des heutigen Georgiens über 4000 Kirchen gibt. Hingegen sind gut erhaltene Burgen  sehr selten anzutreffen. Dafür gibt es eine einfache Erklärung. Die Burgen wurden durch die vielen Kriege immer wieder zerstört. Und eines Tages wurden sie durch die modernen Waffen überhaupt bedeutungslos. Die Kirchen wurden jedoch immer wieder aufgebaut - so wie jetzt nach der Sowjetzeit. Warum? Weil sie gebraucht wurden. An den Kirchen kann man jedenfalls ablesen, das Georgien ein religiöses Land ist, das den Glauben der Christenheit auf seine Weise  bewahrt hat. Chatuna sagte uns: „Wer Georgien lieben will, der muss die Kirchen und den Wein lieben.“

Von hier fuhren wir weiter zu einem kachetischen Dorf. Dort waren wir bei einem Bauern zu einem Mittagessen eingeladen. Es war wieder ein Festessen, das wir im Freien genießen konnten.

Unser letzter Anlaufpunkt an diesem Tag war Nekresi. Dieses Kloster gründete der syrische Mönch Abibos. Die Perser brachten den Zoroastrismus in den Kaukasus. Dem Feuer schreibt dieser Kult reinigende Wirkung zu. Darum errichteten die Perser Feuertempel. Abibo soll  in Nekresi das Feuer auf dem Altar gelöscht haben, indem er Wasser darauf goss. Er wurde festgenommen, in die Hauptstadt Mtskheta gebracht, zum Tod verurteilt und hingerichtet.

Das Kloster liegt in romantischer Lage. Vom Alasanital aus kann man es schon von weitem  und weit oben an einem steilen Berghang liegend sehen. Wir mussten wieder in Sonderbusse umsteigen, die uns hinauf zum Kloster brachten. Hier steht die älteste erhalten gebliebene Kirche Georgiens, eine kleine Basilika aus dem 4. Jh. im Stil zoroastrischer Feuertempel. Ebenso wurden die ältesten Zeugnisse der georgischen Schrift (2. Jh.) hier in Nekresi entdeckt. Der Tag schloss wieder mit einem festlichen Mal in unserem Quartier ab.

Dienstag, der 12. Juni war unser letzter Besichtigungstag in Georgien. Er begann mit einer kleinen Geburtstagsfeier. Chatuna trug zum Frühstück zwei Torten herein und überreichte sie Maria Heinrich. Wir konnten als Gruppe zusammen mit ihr den 70. Geburtstag feiern.

Wir starteten in den Tag und sahen uns zunächst im Markt von Telavi um. Überall wurde frisches Obst, aber auch halbtote Tiere angeboten. An manchen Stellen war der Markt für uns gewöhnungsbedürftig. Die Fahrt ging weiter  zum Kloster David Garedscha. Das Kloster liegt am Berg Udabno in der Region Kachetien, unmittelbar an der Grenze zu Aserbaidschan. Um zu diesem Kloster zu gelangen, muss man durch eine Steppenlandschaft fahren. In diese Halbwüste zog sich David mit zwei Gefährten nach seinem Auftritt in Tbilisi zurück. In Sowjetzeiten war dieses ganze Gebiet Sperrgebiet und wurde als Truppenübungsplatz verwendet. Das Kloster war geschlossen. Jetzt leben im Lawra-Kloster wieder Mönche.

 

Das Kloster von David Garedscha schmiegt sich an einen Felsen an. Die ältesten Räume bestehen aus höhlenartigen Öffnungen. Die Kammern der Mönche befinden sich in zwei sich gegenüber stehenden Felswänden. Dazu sind Türme und eine Kirche gebaut. Wir besichtigten zunächst das Lawra-Kloster. In der Kirche befindet sich das Grab von David Garedscha.

Das Kloster David Garedscha entstand in der Mitte des 6. Jahrhunderts. In kurzer Folge gründeten sich in seinem Umfeld und in Ostgeorgien weitere Klöster nach dem Vorbild von David Garedscha. Diese Klostergründungen fallen in einen Zeitabschnitt, nach dem sich georgische Bischöfe nicht mehr an den Synoden der Armenischen Kirche in Dvin (552) beteiligten und sich von der monophysitischen Lehre abwandten, die von dieser Zeit an für die Armenische Kirche zur verbindlichen Lehre wurde.

In dieser Gegend sollen einst in 19 Komplexen über  20.000 Mönche gelebt haben. Wir besichtigten die Reste eines weiteren Klosters - das Kloster Udabno. Dazu wanderte eine kleine Gruppe  den steilen Berg hinauf in Richtung Aserbeidschan. Auf der anderen Seite des Berges geht die Grenze zwischen Georgien und Aserbeidschan entlang. Das Kloster entstand im 10. Jahrhundert und liegt fast unmittelbar an der Grenze zu Aserbaidschan. Zur Zeit der Sowjetunion war das gesamte Gelände Sperrgebiet und militärisches Übungsgelände, Schießplatz und Bombenabwurfsgebiet. Durch die Erschütterungen - aber auch durch Erdbeben -  sind viele der Höhlen des Klosters zerstört worden.

Udabno ist vor allem für die im späten 10. und frühen 11. Jahrhundert entstandenen Fresken berühmt, die jetzt ungeschützt der Witterung ausgesetzt sind. Vor allem im Refektorium und in den Resten der Marien-Kirche sind sehr schöne Beispiele erhalten.

 Wieder am Lawra-Kloster angekommen, hatte Chatuna für uns ein Picknick vorbereitet. Hier hielten wir im Anschluss unsere letzte Andacht. Nach Tbilisi zurückgekehrt, machten wir uns chic für unser letztes Abendbrot. Dazu fuhren wir mit dem Bus  hinauf in die Berge zu einem schönen Restaurant. Hier fand unser Abschiedsessen statt.  An nächsten Morgen fuhren wir zum Flughafen und flogen über Kiew zurück. Unterwegs war es uns vergönnt, bei strahlendem Sonnenschein, den Elbrus zu sehen.

Mit Poesie habe ich diese Zeilen begonnen. Mit einem schönen Text von Katie Malua möchte ich diese Zeilen beenden. Diese Text stammt von dem Album „secret symphony“ und trägt den Titel gold in them hills“.

Ich weiß, es scheint nicht so

aber vielleicht ist es der perfekte Tag

selbst wenn die Rechnungen sich stapeln.

Mag sein, dass das Glück noch nicht lacht.

Würden wir unsere Augen öffnen,

könnten wir die verborgenen Segnungen sehen,

dass all die Regenwolken Brunnen sind,

obwohl unsere Sorgen wie Gebirge erscheinen.

Es ist Gold in diesen Hügeln.

Es ist Gold in diesen Hügeln.

Also verlier nicht den Mut.

Gib dem Tag eine Chance zu beginnen.

Hin und wieder sagt das Leben:

Wohin glaubst Du so schnell zu gehen?

Wir sind geneigt zu denken, dass es grausam sei,

aber manchmal ist es grausam, freundlich zu sein.

Und wenn wir von unseren Knien aufstehen,

würden wir den Wald vor den Bäumen sehen

und wir würden die neue Sonne aufgehen sehen

über Hügeln und Horizont.

Es ist Gold in diesen Hügeln.

Es ist Gold in diesen Hügeln.

Also verlier nicht das Vertrauen.

Gib der Welt eine Chance zu sagen:

Ein Wort oder zwei mein Freund.

Niemand kann sagen wie der Tag enden wird

wir werden es nie wissen, bevor wir es sehen-

dass dort Gold in diesen Hügeln ist

es ist Gold in diesen Hügeln,

also verlier nicht den Mut.

Gib dem Tag eine Chance zu beginnen.

Es ist Gold in diesen Hügeln.

Es ist Gold in diesen Hügeln.

Katie Melua ist Georgierin. Sie stammt aus Kutaisi. Vielleicht denkt sie bei dem Gold in den Bergen an ihr Heimatland. Man findet hier bis heute Gold in den Bergen. Vielleicht denkt sie dabei aber auch an seine schwere Geschichte.  Sie entdeckt jedenfalls, dass in allen schweren Erfahrungen  auch Chancen und Hoffnungen verborgen liegen. Das ist doch eine gute Botschaft für unser Leben. Durch den Glauben dürfen wir durch die Dinge hindurchsehen auf das, was Gott uns bereithält.

Wir sind sehr dankbar für die gemeinsamen Tage in Georgien. Danken möchte ich der Reisemission Leipzig, die uns diese Reise vermittelt hat. Danken möchten wir besonders Chatuna und Sasa, die uns auf der Fahrt begleiteten. Danken möchte ich der fröhlichen, aufgeschlossenen Gruppe. Chatuna schrieb mir nach der Reise: „Es waren auch für mich unvergessliche Tage. Auch ich habe ganz viel gelernt, wie man im Leben mit Gottes Hilfe viel erreichen kann: Ruhe, Freude, Spaß und große Liebe zu allem, was man tut.           Ich erinnere mich oft, wenn ich schwierige Fälle haben sollte, an die Gruppe, die jeden Tag mit einem Lied begann und nur positive Laune strahlte.“ Das ist ein schönes Kompliment an uns alle, das ich weitergeben möchte. Und danken möchte ich über allem Erlebten Gott, der uns wunderbar geführt, bewahrt und reich beschenkt hat.

 

Friedrich Preißler

 

PS.: dazu können sie hier einige Bilder anschauen.

 

 




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