Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsen
Logo
Logo  Kontakt | Links | Impressum   


  Folge uns auf Facebook
 


 

Der Altar in der Heiligen Dreifaltigkeitskirche Crottendorf

 

Als im Jahre 1654 die Heilige Dreifaltigkeitskirche in Crottendorf nach einer einjährigen Umbauphase geweiht werden konnte, entstanden damals Pläne, den Kirchenbau mit einem  neuen Altar abzuschließen. Erst 44 Jahre später konnte dieses Projekt realisiert werden. Im Jahre 1698 weihte man den evangelischen Barockalter von Theodor Meyer aus Freiberg. Damals stand der Altar noch an einer anderen Stelle. Rund 200 Jahre später wurde an die Kirche eine Apsis angebaut und der Altar dorthin versetzt. Dabei wurde der jetzige  Altaraufsatz (Retabel)  von Theodor  Meyer wiederverwendet – jedoch der Steinaltar durch einen Holzaltar ersetzt. Dies erfolgte in den Jahren 1895-96.

 

Fast könnte man meinen, dass sich die Geschichte nun im Kleinformat wiederholte. Als nach einer siebenjährigen Bauphase mit dem Einbau einer neuen Orgel im Jahr 2007 die Sanierungsmaßnahmen der Kirche im Inneren abgeschlossen werden konnten, entstanden Pläne, die aufwendige Restauration des Altars in Angriff zu nehmen. Im Jahr 2008 fanden erste Gespräche mit dem Landesamt für Denkmalpflege Sachsens und dem Büro für Baupflege der Ev.-Luth. Landeskirche in Sachsen statt. Die Untersuchungen des Altars und die Erstellung einer Restaurierungskonzeption dauerte  einige Zeit. Sehr bald wurde jedoch deutlich, dass die mehrfachen Übermalungen des Altaraufbaus abgetragen, möglichst die ursprüngliche Fassung freigelegt und wiederhergestellt werden sollte. So haben wir nun wieder die ursprüngliche Farbfassung des Altars von 1698 vor uns.

 

Im vergangenen Jahr  begannen die beiden Restauratoren Thomas Höhne und Mathias Steude aus Leisnig mit den Arbeiten. Teilweise arbeiteten sie vor Ort, teilweise restaurierten sie Teile des Altars im Leisniger Atelier. In ihrem Abschlussbericht heißt es u.a.: „Während der Bearbeitung zeigte es sich, dass ein im originalen Fassungsaufbau bedingter technologischer Fehler mit verantwortlich für die Fassungsschäden war. Auf Grund dessen wurde nicht nur der Schmutz von der Oberfläche entfernt und die jüngste Leimfarbenfassung, sondern auch die zwei weiteren Fassungsschichten abgenommen, um Spannungen abzumildern. Die Inkarnate wurden alle mittels Abbeizer freigelegt. Dies gestaltete sich als sehr schwierig.  Es zeigte es sich, dass die Fassungsbereiche stark geschädigt sind. Die originalen Partien wurden in das Erscheinungsbild mit eingearbeitet, Flügel und Gewänder der Figuren  gleichfalls von lockeren Fassungen freigelegt. Dabei zeigte sich ein verändertes Programm der zu vergoldenden Partien. Die neu gefassten Bereiche erhielten darauf die Vergoldung entsprechend des originalen Befundes.

 

Fast ein Jahr lang konnte die Gemeinde die Veränderungen am Altar mitverfolgen. Eine echte Überraschung für die Gemeinde waren die beiden Altarbilder von Andreas Warnitz. Sie waren im Laufe der Zeit sehr verdunkelt. Details konnte man kaum noch erkennen. Im Restaurierungsbericht heißt es dazu: „Die Leinwandbilder wurden zur Bearbeitung aus dem Altar ausgebaut. Nach Abnahme des verbräunten Firnis zeigte das Bild mit der „ Opferung Isaaks" größere Fehlstellen in der Malerei. Umfangreiche Retuschen konnten das Bild wieder für einen ungestörten Bildeindruck komplettieren.“  Nun erstrahlen auch die Bilder im neuen Glanz. Ebenso überraschend war für uns die Gestaltung der beiden Säulen. Rein zufällig fanden die Restauratoren  auf der Rückseite, dort wohin der Pinsel bei späteren Überarbeitungen des Altars nicht hinreichte, Farbreste. Dazu schreibt Herr Steude: „Die Säulen im Hauptfeld wurden ausgebaut und akribisch freigelegt. Dabei zeigte sich das die originale Fassung mittels Zahneisen abgetragen worden war. Aufgrund der Befunde wurde die Fassung rekonstruiert. Vorher wurde anhand einer Probeachse das Ziel in einer Diskussionsrunde vorgestellt und abgesteckt.“

 

Gleichzeitig mit dem Fortgang der Restaurierungsarbeiten entstand eine Diskussion über die Gestaltung des Altartisches und der Stufen. Historische Notizen von Christian Lehmann, auf die uns Pfarrer Schmidt-Brücken aus Scheibenberg aufmerksam machte, besagen, dass der Altar ursprünglich aus Stein gestaltet war. Dies entspricht auch der liturgischen Tradition, die man bis an die Anfänge der Kirchenbauten zurückverfolgen kann. Wahrscheinlich wurde bei den Umbaumaßnahmen 1895-96 aus Kostengründen der Steinaltar durch einen Holztisch ersetzt und später mehrfach verändert. So reiften Pläne, den ursprünglichen Zustand wieder herzustellen. Unser Baupfleger, Architekt Olaf Rümmler aus Mauersberg, entwarf dazu die Pläne. Im Januar diesen Jahres wurde dann der Holztisch samt Holzstufen entfernt und von der Firma Matthias Fritzsch aus Walthersdorf durch einen Steintisch ersetzt.

 

Viele kleinere Veränderungen zog der Altarneubau nach sich. Die Firma Heiße aus Crottendorf musste die Altardecken und die Paramente  dem neuen Altartisch anpassen und die Crottendorfer Tischler  hatten Arbeiten an der Rückseite des Altars auszuführen. Bis zur letzten Woche vor der Weihe wurde am Altar gearbeitet.

 

Dieser neue Altar wurde am Sonntag Judika, den 25. März in einem festlichen Gottesdienst geweiht. Unser Superintendent Dr. Olaf Richter hielt in diesem Gottesdienst die Predigt und weihte den Altar. Mit folgendem Gebet wurde dieser Altar in den Dienst Gottes gestellt: „Wir danken dir, allmächtiger, ewiger Gott, dass wir zu dir kommen dürfen. Wir bitten dich: Gib allen, die an diesem Altar das heilige Abendmahl feiern, Gemeinschaft in Christus, Vergebung der Sünden, Leben und Seligkeit. Schenke denen, die hier beichten, Gewissheit der Vergebung. Sei mit den jungen Menschen, die hier konfirmiert werden, mit den Ehepaaren, die hier getraut werden, und mit deiner ganzen Gemeinde, die hier gesegnet wird. Erhöre uns, wenn wir beten, loben und danken. Das bitten wir dich durch Jesus Christus, unsern Herrn.“ In diesem Gebet wird angesprochen, wozu wir einen Altar in unserer Kirche haben. Möge er ein Ort sein, an dem Menschen immer wieder Erfahrungen mit dem lebendigen Gott machen.

 

Friedrich Preißler

 

 

Fotos von diesem feierlichen Festgottesdienst können hier angeschaut werden.






 




© 2006-2017 - Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde Crottendorf