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Sonntag, 27. Februar


An diesem Tag stand uns ein echter Grenzwechsel bevor. Zwei Stunden dauerte der Weg von Israel nach Jordanien an der Allenby- oder Sheikh-Hussein-Brücke. Beni hatte uns frühzeitig an die Grenze gebracht. Wir waren die ersten Passanten des Tages. Viele  fühlten sich durch die Prozedur  an der Grenze an alte DDR-Zeiten erinnert.

Ein freundlicher Guide, Fuad Rajab Al-Hayek, nahm uns auf jordanischer Seite in Empfang. Mir fiel auf, dass sein erstes Thema, über das er sprach, das gleiche Thema war, über das auch Anna, unser Guide in Israel, zuerst sprach: Wasser. Wassergewinnung, Wasserspeicherung, Wassertransport ist in beiden Ländern ein Grundproblem des Lebens und daher ein politisch, ökonomisch und technisch  brisantes Thema höchster Kategorie. Zunächst fuhren wir vom Grenzübergang  nach Norden und besichtigten die Ruinen von Umm Qais, dem ehemaligen Gadara[1]. Gadara war eine der 10 Städte der Dekapolis. Deutsche Archäologen haben hier fleißig mit ausgegraben. Zu sehen sind noch eines der beiden Theater, der Cardo, ein Bacchus-Tempel, der im 4. Jhdt in eine Kirche umgewandelt wurde, und das Nymphäum.  Nach dem Mittag im Green Valley Restaurant ging unsere Fahrt weiter nach Süden.

Höhepunkt des Tages war die Besichtigung des antiken Gerasa. Gerasa, das heutige  Jerash, gilt als eine der besterhaltenen römischen Provinzstädte der Welt. Man kann die beiden Orte leicht verwechseln. Gadara ist das heutige Umm Qais und Gerasa ist das heutige Jerash. Auch Gerasa war Teil der Dekapolis. Jerash kann auf eine lückenlose Geschichte menschlicher Besiedlung von mehr als 6.500 Jahre zurückschauen. Der römische General Pompeius eroberte im Jahr 63 v. Chr. die Stadt und nahm sie in den Bund der zehn großen Städte auf. Sehr bald machte Gerasa dem älteren Petra starke Konkurrenz. Unter römischer Herrschaft erlebte Jerash goldene Zeiten. Der wirtschaftliche Aufschwung führte zu einer starken Bautätigkeit und zu einer Fülle an Baudenkmälern.  Viele Gebäude sind heute noch zu besichtigen. Wir begannen unseren Rundgang am Hadriansbogen.  Hat man den Triumphbogen passiert, schaut man auf das Hippodrom. Geht man den Weg weiter, gelangt man an das zweite und ältere Stadttor, das Philadelphia-Tor. Von hieraus gingen wir hinauf zum Zeustempel. Im nahegelegenen Theater spielten Dudelsackbläser für uns auf. Wir assoziieren mit Dudelsack Schottland. So richtig weiß man bis heute nicht, wo der Dudelsack oder die Sackpfeife herkommt. Die Bibel erwähnt  im Buch Daniel Sackpfeifen.   Demnach würde der Dudelsack aus Babylon stammen. In Jerash behauptet man jedenfalls, dass sie den Dudelsack erfunden haben. Vorbei am Forum gingen wir zum Drei-Kirchen-Komplex aus dem 6. Jhdt. Dann besichtigten wir den gewaltigen Arthemis-Tempel, dessen Cella sogar noch erhalten ist. Im Nordtheater hielten wir unsere Andacht. Dann ging es auf den Cardo Maximus, vorbei am Nymphäum über dem Ovalen Forum,[2] zurück zum Ausgangspunkt.

In Amman bezogen wir unser Hotel und genossen das Abendessen. Mit einer kleinen Gruppe setzten wir uns am Abend  noch einmal in Bewegung, um das Stadtzentrum von Amman zu erkunden.

 


[1]     Andreas Feldtkeller Jordanien EVA Leipzig 207 S. 69f Gadara hat seine Bedeutung als Stadt in hellenistischer Zeit erlangt. Da Gadara jedoch kein griechischer Name ist, muss es den Ort auch schon vor seiner Hellenisierung gegeben haben. Aus den letzten vorchristlichen Jahrhunderten sind mehrere Vertreter griechischer Bildung aus Gadara bekannt, unter anderem der Satiriker Menippos (ca. 330-260 v. Chr.) und der epikureische Philosoph Philodemos (ca. 110-40/35 v. Chr.). Gadara darf wohl als das bedeutendste Zentrum griechischer Bildung im Ostjordanland gelten. In Gadara lebte auch eine jüdische Bevölkerungsgruppe, die von dem gadarenischen Dichter Meleager (2./1. Jh. v. Chr.) mit spöttischer Ironie bedacht wurde. Immer wieder war Gadara Schauplatz von Auseinandersetzungen zwischen jüdischer und nichtjüdischer Bevölkerung. Zu Beginn des 1. Jh. v. Chr. wurde die Stadt durch den jüdischen König Alexander lannäus zerstört. Der römische Feldherr Pompeius, der die gesamte Region für das Römische Reich eroberte, ließ Gadara wieder aufbauen. Seit dieser Zeit (63 v. Chr.) ist Gadara durch eigene Münzprägungen als Polis ausgewiesen. Zeitweise gehörte Gadara zum Königreich von Herodes dem Großen (Regierungszeit 30-4 v. Chr.), gegen den es nach Darstellung des jüdischen Historikers Flavius Josephus zu Beschwerden beim römischen Kaiser kam (Jüdische Altertümer XV, 351.354). Im 1. Jh. n. Chr. ist die Stadt als Mitglied des Städtebundes der Dekapolis genannt. Bei Ausbruch des Jüdischen Krieges 66 n. Chr. soll Gadara von jüdischen Aufständischen verwüstet worden sein (Josephus, Jüdischer Krieg II, 459); wenig später kam es zu einem Massaker unter der jüdischen Bevölkerung von Gadara (Josephus, Jüdischer Krieg II, 478). Einen Bezug zur Bibel hat Gadara dadurch bekommen, dass es einmal im Matthäusevangelium erwähnt wird (Matthäus 8,28).

 

 

 

 

 

 

[2]  Jerash – Spuren vergangener Kulturen Amman1996 S. 26 Das enorme, ovalförmige Forum von Jerash, auf dem sich das gesamte politische und gesellschaftliche Leben der Stadt abspielte, ist archäologisch gesehen eines der interessantesten Monumente der Stadt Jerash. Wie alle anderen wichtigen Bauwerke der Stadt, die für eine Großstadt des römischen Imperiums unentbehrlich sind, wurde auch das Forum in der Mitte des I. Jh. n. Chr. gebaut. Noch heute stehen die 56 antiken, ionischen Säulen um den ovalen Platz herum, die von einer ununterbrochenen Reihe von dreigeteilten Architraven zusammengehalten werden. Im Norden öffnet sich die Säulenreihe zur Hauptstraße Cardo Maximus hin, die mit einer Reihe von korinthischen Säulen gesäumt ist. Das Forum liegt etwas abseits, am Ende des Cardo Maximus und bedingt durch die Nähe zum Zeustempel vermutet man, dass dort abgesehen von den Verwaltungs- und Handelstätigkeiten, auch kulturelle und religiöse Veranstaltungen stattgefunden haben. Die Pflasterung des Forums, das 90 x 80 m misst, ist noch heute in optimalem Zustand. An den äußeren Seiten ist der Boden mit großen Kalksteinplatten gepflastert, die dann zur Mitte hin immer kleiner werden. In der Mitte des Forums befinden sich die Reste eines Sockels, auf dem ursprünglich eine Statue stand. Später wurde diese Statue entfernt und an seiner Stelle wurde eine Art Brunnen bzw. ein Wasserzulauf errichtet, dessen Wasserleitungen noch unter dem Straßenpflaster in der Nähe des Sockels erkennbar sind. 

 

 




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