Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsen
Logo
Logo  Kontakt | Links | Impressum   


  Folge uns auf Facebook
 

Mittwoch, 2. März


An diesem Tag hieß es von Jordanien Abschied nehmen.  Zeitig waren wir von unserem Hotel In Petra gestartet. Hier hielten wir noch kurz an der Mose-Quelle an und tankten Wasser. Dann begann die 3 stündige Fahrt auf der Wüstenautobahn nach Norden. Schließlich kamen wir am späten Vormittag am Nordufer des Toten Meeres an.  Hier in dem komfortablen Holiday Inn Hotel war Baden im Toten Meer angesagt.  Nach einem reichhaltigen Mittagessen im Dead Sea Spa Hotel hielten wir am Pool unsere Andacht. Dann ging es zur König-Hussein-Brücke. Hier mussten wir uns von unserem Guide Mr. „nur zu wissen“ (das war seine nette Standartformulierung),  Fuad Rajab Al-Hayek, verabschieden. Wir hatten mit ihm eine gute Zeit in Jordanien.  Fuad studierte und lebte 9 Jahre in Deutschland. Wir haben sehr von seinem großen Wissen und seiner fröhlichen Art profitiert. Eigentlich wollten wir um 15 Uhr an der Grenze sein. Es wurde jedoch etwas später. Endlich hatten wir es um 17 Uhr geschafft, in Israel zu sein. Anna und Beni warteten schon auf uns. Vorbei an Jericho fuhren wir hinauf nach Jerusalem. Wir schauten zurück und sahen noch einmal den Berg Nebo, von dem aus Mose das Gelobte Land erblickte. Immer aufs Neue ist es etwas Besonderes, wenn man vom Toten Meer hinauf nach Jerusalem fährt. Ich erinnerte mich an den Beginn unserer Reise. Als wir von Tel Aviv hinauf nach Cäsarea Philippi fuhren, erzählte uns Anna von dem visionären Buch von Theodor Herzl „AltNeuLand“.  Dieser Roman (1902 in Leipzig erstmals erschienen)  ist ein echt prophetisches Buch. Herzl beschreibt darin, wie er sich das zukünftige Israel vorstellt. Ich kaufte mir nach der Reise dieses Buch und fand darin sehnsuchtsvolle Worte über Jerusalem.[1]  Für unser Nachmittagsprogramm in Jerusalem war es leider schon zu spät geworden. Anna machte einen interessanten Vorschlag, den alle sofort akzeptierten. Nach dem Einchecken im Hotel und dem Abendessen sollte eine Nachtfahrt durch Jerusalem stattfinden. So geschah es. Es wurde ein wunderbarer Abend. Immer  aufs Neue übt die Stadt Jerusalem eine Faszination auf ihre Besucher aus.[2] Wir fuhren durch Mea Shearim und entlang der Altstadtmauer. Auf dem Skopusberg  hatten wir einen wunderbaren Blick auf die Altstadt. Hier öffneten wir eine Flasche Hermon-Wein und tranken auf das Leben. Ein weiterer Stopp war am Misttor. Von hieraus gingen wir zur Klagemauer, um  zu beten.[3] Es war ein bewegender Moment.  Nach einem langen Tag sanken wir ins Bett und träumten von Jordanien und Jerusalem.

 


[1]     Theodor Herzl AltNeuLand ; haGalil.com Nordstedt 2004S. 52  „Jerusalem!" sagte Friedrich mit leise bebender Stimme halb vor sich hin. Er wusste sich gar nicht zu erklären, warum ihn der Anblick dieser unbekannten Stadtumrisse derart ergriff. Erinnerungen vielleicht an Worte der frühen Kindheit? Gebetstellen, die des Vaters Stimme gemurmelt hatte? Die abendliche Weihe des verschollenen Pessachfestes zog ihm durch die Seele. Einer der wenigen hebräischen Satze, die er noch wußte, klang in ihm auf: LeSchonoh haboh beJruscholajim. - Übers Jahr in Jerusalem! ... Und er sah sich plötzlich als kleinen Knaben an der Seite seines Vaters zum Tempel gehen. Ach, der Glaube war tot, die Jugend war tot, der Vater war tot - Und vor ihm ragten die Mauern von Jerusalem in märchenhaftem Mondesglanz. Heiß strömte es ihm in die Augen. Es überwältigte ihn. Er blieb stehen, und die Tränen flossen ihm langsam über die Wangen.

 

[2]     Friedrich Vogel „Israel – Mini-Mega-Stadt“ Jerusalem - was hat diese Stadt vieles sehen müssen: Trauer, Jubel, Hass, Ehrfurcht und Liebe! Menschen haben sich für Jerusalem töten lassen oder für diese Stadt getötet! Sie sind niedergekniet und haben die Steine geküsst und in großer Ehrfurcht tun es manche noch heute. Das alte Jerusalem ist in unserer Zeit der globalen Denkweise nur ein etwas größeres Dorf. Jerusalem feierte 1995/96 seinen 3000-jährigen Geburtstag. Sie findet bereits zur Zeit des Patriarchen Abraham in 1. Mose 14,18 Erwähnung: „Aber Melchisedek, der König von Salem, brachte Brot und Wein herbei. Und er war ein Priester Gottes, des Allerhöchsten." Schon zu dieser frühen Zeit begann Jerusalem die Stadt des Friedens zu sein. …

      Wie sehr jüdische Menschen die Stadt Jerusalem lieben, können wir vielleicht nie ermessen. Drei Mal im Jahr zogen fromme Juden zum Gebet nach Jerusalem. In ihrer Nationalhymne wird die tiefe Sehnsucht jedes jüdischen Menschen offenbar. Alle Synagogen der ganzen Welt sind so gebaut, dass die Besucher ihr Angesicht automatisch nach Jerusalem richten. Selbst bei einer an sich fröhlichen Hochzeit zertritt der Bräutigam während der Trauung ein Glas, womit an die Tempelzerstörung gedacht werden soll. Täglich erinnern sich jüdische Menschen. „Vergesse ich dich, Jerusalem, so erlahme meine Rechte! Meine Zunge soll an meinem Gaumen kleben, wenn ich nicht an dich gedenke, wenn ich Jerusalem nicht über meine höchste Freude setze!" (Psalm 137,5.6). …

      Die Stadt Jerusalem gehört Gott und ER hat sie Seinem Volk zum Besitztum gegeben. Jerusalem gehört zu Israel und Israel gehört zu Jerusalem. Alles gehört Gott. Jerusalem ist ewig. Sie ist die Stadt aller Städte. Sie ist die ewige Stadt. Niemals war es Rom.

      Hier erscholl der lebensbringende Ruf des Erlösers Jesus Christus: (Joh 19,30) „Es ist vollbracht. Von Jerusalem aus geht die Botschaft des Lebens - die Frohe Botschaft: „Ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch gekommen ist,  und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und Samaria und bis an das Ende der Erde!“

 

[3]     Nach jüdischer Tradition ist  an der Westmauer die Gegenwart Gottes noch spürbar – da sich in deren Nähe das Allerheiligste befunden hat. Ich kann das nur bestätigen. Ein Gebet an der Klagemauer ist etwas Besonderes. Für Juden ist er der heiligste Ort.

 

 




© 2006-2017 - Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde Crottendorf